DAS ÖSTERREICH

Haltestelle Schuldenfalle U25

Vor allem junge Menschen häufen oft große Schuldenberge an. Informationen der österreichischen Schuldnerberatung zufolge sind 14 Prozent der Klienten zum Zeitpunkt der Erstberatung erst 25 Jahre oder jünger; im Schnitt haben sie ca. 30.000 Euro Schulden. Haben junge Menschen also verlernt, mit Geld umzugehen, oder sind die Gründe für die wachsende Jugendverschuldung anderswo zu suchen?

Vielleicht haben Sie es selbst schon erlebt: Sie haben noch kein Handy der neuesten Generation oder tragen vielleicht nur No-Name-Kleidung? Schon ernten Sie schiefe Blicke von Ihren Kollegen. Es wird gemunkelt: Ja weiß der denn noch nicht, dass die 70er-Jahre vorbei sind? Der Druck, der diesbezüglich auf Jugendlichen lastet, ist zweifelsohne noch höher. Handy, Fitnessstudio, Internet, Auto, Wohnung, Reisen oder Markenkleidung – die Liste all jener Dinge, die ein junger Mensch braucht, um „in“ zu sein, ist lang. Statussymbole und Repräsentation nach außen sind dabei offensichtlich wichtiger als finanzielle Sicherheit.

Will haben

Dazu kommt, dass junge Schuldner die Folgen eines Vertragsabschlusses oft nicht richtig einzuschätzen wissen. Wichtig ist, das Objekt der Begierde sofort zu besitzen, bezahlen kann man es dann ja nächstes Jahr oder auf Raten. Dass bei solchen Zahlungsmodellen allerdings meist 15 Prozent Zinsen pro Jahr fällig werden, ist nur nebensächlich. Besonders dramatisch ist die Situation hier bei den unter 18-Jährigen, die zumeist – logischerweise – auch über kein eigenes Einkommen verfügen, sondern nur vom Taschengeld der Eltern leben.

Schuldenfalle Kreditkarte

Schuldenfallen für junge Leute sind auch oft Kreditkarten. Sie üben insofern eine große Anziehungskraft auf junge Menschen aus, als sie ihnen das Gefühl geben, einfach und schnell an Geld heranzukommen. Mit dieser jugendlichen Naivität spielt zum einen die Werbung indem sie gebührenfreie Kreditkarten anpreist. Zum anderen nutzen Banken diese Naivität aus. Nur selten wird das jeweilige Alter bzw. das Einkommen eines Abonnenten hinterfragt. Fallen dann die ersten Rechnungen an, verlieren die jungen Schuldner schnell den Überblick. Können die Schulden nicht mehr bezahlt werden, gibt es eine (vermeintlich) einfache Lösung: Man bestellt einfach eine zweite Karte, die die Schulden der ersten ablösen soll und so weiter. Der Teufelskreis hat damit erst begonnen.

Zahlungsmoral am Ende?

Laut dem IS Inkasso Service liegt ein weiterer möglicher Grund für die Verschuldung junger Menschen in deren mangelnden Zahlungsmoral. Während Eigenverantwortung, Verlässlichkeit und pünktliches Zahlen unter älteren Generationen als eine selbstverständliche Tugend galten, legen junge Menschen offenbar keinen großen Wert mehr darauf. Dabei handelt es sich bei der Verschuldung junger Menschen aber keineswegs um ein schichtenspezifisches Phänomen. Vielmehr betrifft es sowohl Jugendliche und junge Erwachsene aus bildungsnahen als auch aus bildungsfernen Schichten. Während bei Jugendlichen in den bildungsfernen Schichten allerdings oft der Wunsch zu den Schulden führt, sich über die Zurschaustellung von Geld einen höheren sozialen Status zu erarbeiten, tappen Jugendliche aus bildungsnahen Schichten eher aufgrund des ständigen Geldzuschusses ihrer Eltern in die Schuldenfalle.

Der rechtliche Hintergrund

In diesem Zusammenhang zunächst zu erwähnen ist die eingeschränkte Geschäftsfähigkeit noch nicht Volljähriger (heißt 18-jähriger). Ab dem vollendeten 7. Lebensjahr bis zum vollendeten 14. Lebensjahr sind Kinder und Jugendliche sehr eingeschränkt geschäftsfähig, sie können (ohne Zustimmung der Eltern) nur sogenannte Taschengeldgeschäfte (kleine Geschäfte des täglichen Lebens) abschließen. Ein Kauf von Süßigkeiten wird somit kein Problem darstellen, während größere Ausgaben bei diesem Alter faktisch unmöglich sind. Vertragsabschlüsse über Internet fallen in aller Regel nicht unter die Taschengeldgeschäfte und können somit von Jugendlichen bis 14 Jahren nicht wirksam abgeschlossen werden. Die Gefahr für bis 14-Jährige in Schuldenfallen zu tappen, ist somit äußerst gering.

Problematischer ist die Situation für Jugendliche ab 14 bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Diese Gruppe ist zwar noch nicht voll geschäftsfähig, jedoch hat sie wesentlich mehr Kompetenzen und rechtliche Möglichkeiten. So dürfen Jugendliche ab 14 ihr Taschengeld bzw. eigenes vorhandenes Einkommen (aus Lehrverträgen, Ferialarbeit,…) selbständig und nach eigenem Ermessen ausgeben. Besonders problematisch hierbei ist, dass das auch für Geschäfte im Internet gilt. Einzige Einschränkung ist, dass mit den Ausgaben nicht die Lebensbedürfnisse des Jugendlichen gefährdet werden dürfen. Dann ist jedenfalls die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten notwendig.

Wenn also ein Mopedkauf das gesamte Arbeitseinkommen des Jugendlichen „frisst“, ist der Kaufvertrag nicht ohne weiteres gültig. Aber Achtung! Die Abgrenzung im Einzelfall ist oft schwierig und hängt von den Umständen ab. Nicht immer ist ein Vertrag, den ein Jugendlicher alleine abschließt und ihn finanziell gefährdet, dem Vertragspartner gegenüber automatisch unwirksam – zum Beispiel wenn dieser begründet davon ausgehen konnte, dass der Jugendliche genügend Einkommen erhält.

Was tun?

Jugendliche in solch einer Situation bzw. deren Eltern sollten in solchen Fällen unverzüglich mit dem Geschäftspartner Kontakt aufnehmen (am besten mittels eingeschriebenem Brief). Weisen Sie auf das Alter und das begrenzte Einkommen des Jugendlichen hin und fordern Sie die Rückabwicklung des Vertrages. Als Erziehungsberechtigte sollten Sie an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass das Rechtsgeschäft ohne Ihre Genehmigung abgeschlossen wurde. Der Jugendliche muss dann die Leistung, die er bereits erhalten hat, zurückgeben. Selbiges gilt natürlich auch für den Geschäftspartner. In obigem Beispiel muss der Jugendliche daher das gekaufte Moped jedenfalls wieder an den Verkäufer übergeben und dieser den bezahlten Kaufpreis wieder rückerstatten. Sollte das Moped nicht mehr vorhanden sein (wenn es zum Beispiel bei einem Unfall zerstört wurde), ist eine Rückabwicklung nicht mehr möglich und der Jugendliche bleibt daher auf dem Kaufpreis sitzen. Jedenfalls ist für Jugendliche ab 14 Jahren die Gefahr, Schulden anzuhäufen, schon eine deutlich größere.

Ab der Volljährigkeit (18 Jahre) ist jede Person grundsätzlich voll geschäftsfähig und für sich selbst verantwortlich. Hier gibt es – sofern keine Sachwalterschaft vorliegt – keine gesetzlichen Beschränkungen mehr.

Schutzwall Konsumentenschutzgesetz

Das Konsumentenschutzgesetz (KSchG) bietet quasi das letzte Auffangbecken zum Schutze vor Überschuldung. So werden hier Konsumenten vor Verträgen bzw. Vertragsklauseln geschützt, die sie extrem benachteiligen. Zum Beispiel können Ratenvereinbarungen mit übermäßig hohen Zinsen unrechtmäßig sein und so gegenüber einem Konsumenten unwirksam. Jedoch ist auch hier Vorsicht geboten: In jedem Einzelfall kann die Abgrenzung schwierig sein und wiederum zu einem Streitfall – mitunter sogar vor Gericht – werden. Dann wächst das Kostenrisiko für den Konsumenten noch weiter.

Eigenverantwortung zählt

Zusammenfassend bleibt zu sagen: In eine Schuldenfalle kann jeder tappen. Aufgrund einiger Umstände sind Jugendliche und junge Erwachsene mitunter stärker gefährdet als andere Personenkreise. Das Gesetz bietet hier zwar Regelungen und schafft zumindest teilweise Abhilfen, letztlich ist aber jeder für sich selbst verantwortlich. Bei Jugendlichen sind besonders die Erziehungsberechtigten als Stütze und Vorbild gefragt. Im Fall der Fälle kann eine Schuldenberatung wertvolle Hilfe bieten.

Seit 2012 im Unternehmen als Referent in der Schadenbearbeitung tätig, sprüht er vor Begeisterung und versucht Schadenfälle für alle Seiten, insbesondere den Kunden, optimal abzuwickeln. Die Energie dazu bewahrt sich der begeisterte Läufer, Tennisspieler und Leser vor allem durch seine nie enden wollende Affinität zum beliebtesten koffeinhaltigen Heißgetränk der Welt.

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