DAS ÖSTERREICH

Welt-Alzheimertag

Gegründet von der Dachorganisation Alzheimer`s Disease International (London) und der WHO finden seit 1994 am 21. September in aller Welt Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Menschen mit einer Alzheimer Erkrankung und deren Angehörige, aufmerksam zu machen. Weltweit sind etwa 35 Millionen Menschen von Demenzerkrankungen betroffen, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Bis 2050 wird die Zahl auf voraussichtlich 115 Millionen ansteigen. In Österreich sind etwa 100.000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen.

Mit zunehmendem Alter ist ein gewisses Maß an Vergesslichkeit normal. Manche biologische Vorgänge sind beim älteren Menschen einfach verlangsamt und eingeschränkt. Auch das Hör- und Sehvermögen nehmen ab, was die rasche Verarbeitung von Informationen mit beeinflusst. Wenn Sie das Gefühl haben, dass sehr häufig oder über einen längeren Zeitraum Störungen der Leistung Ihres Kurzeitgedächtnisses und/oder der Orientierung auftreten, so ist dies ein Grund eine Ärztin/einen Arzt aufzusuchen und die Symptome abklären zu lassen. In manchen Fällen wird dann eine Demenz diagnostiziert. Alzheimer ist eine – die häufigste Form der Demenz. Der deutsche Nervenarzt Dr. Alois Alzheimer diagnostizierte vor rund 100 Jahren zum ersten Mal die Krankheit, die später nach ihm benannt wurde.

Demenz ist ein Syndrom, also eine Gruppe von Symptomen, dass meist durch eine chronische oder fortschreitende Krankheit des Gehirns mit Störung vieler kognitiver Funktionen, einschließlich Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen ausgelöst wird. Es gibt unterschiedliche Formen von Demenz, deren Häufigkeit und Ursachen stark voneinander abweichen.

Die häufigste und bekannteste Form einer demenziellen Erkrankung stellt die Alzheimer-Demenz dar. Sie kommt auch in Kombination mit anderen vaskulären Demenzen vor. Man spricht dann von einer gemischten Alzheimer-Demenz. Alzheimer-Demenz und gemischte Demenz machen gemeinsam 60 bis 80 Prozent aller Demenzerkrankungen aus.

Jene Bereiche, die im Falle einer Demenzerkrankung betroffen sein können, lassen sich durch die sogenannte ABC-Regel beschreiben: A steht für Activities of daily living (Alltagsfertigkeiten), B für Behavior (das Verhalten der an Demenz erkrankten Person) und C für Cognition (Kognition, Lernen und Gedächtnis der betroffenen Person).

Störungen der Alltagsfertigkeiten (A) zeigen sich beispielsweise durch Schwierigkeiten im Umgang mit Geld, beim Einkaufen, Kochen, Unzulänglichkeiten in der Haushaltsführung oder durch Verlegen von Gegenständen oder auch durch Verirren. Die Defizite können bis zum völligen Verlust der Alltagskompetenz führen. Scheinbar einfachste Alltagsfähigkeiten können nicht mehr durchgeführt werden.

Störungen des Verhaltens (B) drücken sich in Form von Depression, Isolierung, Reizbarkeit, Apathie, Schlaflosigkeit, Wahnvorstellungen sowie körperlicher Unruhe oder verbaler Entgleisungen aus.

Störungen der Kognition (C) äußern sich durch Einschränkungen der Lernfähigkeit, durch Wortfindungsstörungen, verminderter Problemlösungskompetenz, Einschränkung des Urteilsvermögens, Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und Sprach- und Orientierungsstörungen.

Die optimale Therapie bei Morbus Alzheimer besteht aus mehreren Säulen. Das Ziel ist immer die Selbstständigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich und auf möglichst hohem Niveau zu erhalten.

Neben der medikamentösen Therapie gibt es eine Reihe an Interventionen wie Bewegungstherapie, Musiktherapie, Entspannungstechniken und viele andere. Angeboten werden auch technische und elektronische Hilfsmittel, Umgangsstrategien wie Validation und begleitende Maßnahmen für die betroffenen Angehörigen.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit hat die Gesundheit Österreich GmbH im Rahmen eines Review (Übersichtsarbeit) die Studienlage zur Wirksamkeit von nicht-medikamentöser Prävention und Therapie bei leichter und mittelschwerer Alzheimer-Demenz und gemischter Demenz erfasst.

Die Ergebnisse sprechen für eine positive Auswirkung von Bewegungsinterventionen, kognitivem Training und Musiktherapie auf die kognitiven Funktionen und die Durchführung der Aktivitäten des täglichen Lebens. Vor allem führen Maßnahmen, welche in sozialer Interaktion stattfinden und zu keiner Überforderung führen – also positive Bestärkung beinhalten – zu einer Verbesserung der Lebensqualität.

Morbus Alzheimer ist nicht heilbar, jedoch können die Symptome und Begleiterscheinungen mit medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien sehr lange stabilisiert werden und in weiterer Folge das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt werden.

Die Forschung beschäftigt sich intensiv mit der Identifizierung von Medikamenten, welche Heilung versprechen. Gerade im letzten Jahr haben einige Forscherteams mit positiven Berichten auf sich aufmerksam gemacht.

Neben der sorgfältigen Diagnosestellung und Einführung oben genannter Therapien sind noch weitere wesentliche Schritte empfehlenswert, wenn die Diagnose Alzheimererkrankung gestellt wurde. Zum einen sind dies Informations- und Begleitangebote für die Angehörigen der betroffenen Menschen. Zum anderen kann es ein Antrag zur Zuerkennung oder Erhöhung Pflegegeld sein, um die notwendigen Therapieangebote und Betreuungs- und Pflegeangebote finanzieren zu können.  Pflegeberatung bietet individuelle Beratung für jede Situation. Sie hilft einen Überblick über die Möglichkeiten zu erhalten und begleitet bei der Entscheidungsfindung. PflegeberaterInnen sind Ansprechpartner für betroffene Menschen und deren Angehörige.  Ein kontrovers diskutierter Punkt ist die Aufklärung der betroffenen Personen. Wenn die betroffene Person nicht selbst zu erkennen gibt, dass sie keine weiterführenden Informationen wünscht, ist eine individuelle Aufklärung in einer geeigneten Form jedenfalls zu bevorzugen.

Nach entsprechender Aufklärung besteht die Möglichkeit aktiv bei den nächsten Schritten mitzuentscheiden. Eine der Möglichkeiten die Selbstbestimmung wahrzunehmen ist die Vorsorgevollmacht.

Mit einer Vorsorgevollmacht können Menschen mit Demenz einem Angehörigen oder Zugehörigen ihres Vertrauens das Recht einräumen, in ihrem Namen zu entscheiden und zu handeln, wenn – und erst dann –  sie dazu selbst nicht mehr in der Lage sind.

Grundsätzlich soll die Vorsorgevollmacht möglichst genau festlegen, wozu sie im Einzelnen ermächtigt. Soll sie sich beispielsweise nur auf Geldangelegenheiten beziehen oder auch auf Entscheidungen über die Art der Betreuung und Pflege sowie die medizinische Behandlung? Auch für Hinweise zu persönlichen Wünschen ist hier der richtige Platz.

Wichtig ist, dass die betroffene Person die Vollmacht nur ausstellen kann, solange sie noch geschäftsfähig – einsichts- und urteilsfähig – ist.

Elisabeth Hahn ist akademische Gesundheits- und Pflegeberaterin, DGKP und absolviert gerade das Masterstudium ANP auf der Donau Universität Krems. Elisabeth Hahn arbeitet als selbstständige Pflegeberaterin und unterstützt und begleitet pflegebedürftige Menschen und deren pflegende Angehörige im häuslichen Bereich. Menschen mit Demenz und deren Angehörige sind ihr ein besonderes Anliegen. Lösungen zu ethischen Fragestellungen, den Erhalt des Selbstbestimmungsrechts beachtend, stehen immer wieder im Fokus ihres täglichen Handelns.

Darüber hinaus hält sie Vorträge, Seminare, Workshops und arbeitet in Projekten mit. Näheres auf www.meinpflegegeld.at.

Wir freuen uns über Ihre Kommentare – ob Lob, Kritik oder sachliche Diskussion! Bitte lesen Sie unsere Hinweise zu Kommentaren!

Ich habe die Datenschutzrichtlinien gelesen und akzeptiere diese.