DAS ÖSTERREICH

Urlaub statt Arbeit?

Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint …. So mancher Arbeitnehmer wünscht sich, er könnte das schöne Wetter draußen genießen, anstatt im Büro zu sitzen und zu arbeiten. Wie schaut das eigentlich aus - kann man sich einseitig Urlaub nehmen? Wie viel Urlaubstage kann ich mir pro Jahr frei nehmen und kann Urlaub verjähren? Diese und weitere Fragen haben wir hier für Sie zusammengefasst:

Wie viel Urlaubanspruch habe ich?

Der gesamte Jahresurlaub beträgt fünf Wochen. Ab dem 26. anrechenbaren Dienstjahr gibt es eine 6. Urlaubswoche.

Ist man noch neu in einem Betrieb, wächst der Urlaubsanspruch aliquot (anteilig). In den ersten 6 Monaten in einem neuen Betrieb wächst der Urlaubsanspruch im Verhältnis zu jener Zeit, die man im Betrieb ist. Mit Beginn des 7. Monats hat man Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub. Ab Beginn des 2. Arbeitsjahres entsteht der gesamte Jahresurlaub immer mit Beginn des Arbeitsjahres.

Darf ich meinen Urlaub eigenmächtig antreten?

Nein, Urlaub muss immer zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbart werden.

Was ist, wenn keine Einigung möglich ist?

Kommt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer keine Urlaubsvereinbarung zustande, muss der Betriebsrat den Verhandlungen beigezogen werden. Kann auch dann keine Einigung erzielt werden, kann der Arbeitnehmer den Urlaub zu dem von ihm vorgeschlagenen Zeitpunkt antreten. Außer der Arbeitgeber hat während eines im Gesetz genau definierten Zeitraums (nicht mehr als acht und nicht weniger als sechs Wochen) vor dem gewünschten Urlaubstermin Klage beim Arbeitsgericht eingebracht. In dem Verfahren kommt es zu einer Interessensabwägung zwischen den betrieblichen Erfordernissen des Arbeitgebers und den Erholungsmöglichkeiten des Arbeitnehmers.

(Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber den von ihm gewünschten Zeitpunkt für den Antritt des Urlaubs (in der Dauer von mindestens zwölf Werktagen) mindestens drei Monate vorher bekanntgegeben hat.)

Kann mich mein Arbeitgeber zum Urlaub zwingen?

Nein, der Urlaub muss immer zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart werden.

Kann ein genehmigter Urlaub vom Arbeitgeber widerrufen werden?

Ein genehmigter Urlaub kann grundsätzlich nicht widerrufen werden.

Ausnahme: Der Arbeitgeber kann von dieser Vereinbarung einseitig nur aus besonders schwerwiegenden Gründen zurücktreten. Nämlich, wenn zur Vermeidung wirtschaftlicher Nachteile für das Unternehmen (z. B. Betriebsnotstand) eine dienstliche Inanspruchnahme gerade dieses Arbeitnehmers nach den Umständen des Falles unumgänglich notwendig ist. Der Arbeitgeber hat hier die Beweispflicht. In diesem Fall muss der Arbeitgeber die gesamten diesbezüglichen Ausgaben (z. B. Stornogebühren) des Arbeitnehmers übernehmen.

Kann ich von einer Urlaubsvereinbarung zurücktreten?

Der Arbeitnehmer kann die Urlaubsvereinbarung einseitig widerrufen, wenn auf seiner Seite ein wichtiger Grund eingetreten ist. Nämlich dann, wenn wegen Verfehlung des Erholungszweckes ein Festhalten an der Vereinbarung unzumutbar wäre. Zum Beispiel, wenn der Arbeitnehmer nach Abschluss der Vereinbarung erkrankt, weil die Erkrankung den mit der betreffenden Abwesenheit verbundenen Zweck, nämlich Erholungsmöglichkeit, vereitelt.

Was ist, wenn ich im Urlaub krank werde?

Erkrankt der Arbeitnehmer während des Urlaubs (ohne dies vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt zu haben), werden auf Werktage fallende Tage der Erkrankung auf das Urlaubsausmaß nicht angerechnet. Das gilt allerdings erst, wenn die Erkrankung länger als drei Werktage dauert.

Ist ein Urlaubsvorgriff auf das nächste Urlaubsjahr zulässig?

Ja, das ist möglich. Dies muss aber zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber vereinbart sein. Es geht hier darum, den erst im folgenden Jahr gebührenden Urlaub bereits vorweg zu verbrauchen. Die zeitliche Verteilung wird hier zu Gunsten des Arbeitnehmers verändert.

Was ist, wenn es keine solche Vereinbarung gibt?

Haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber keine Vereinbarung des Urlaubvorgriffs geschossen, dann ist davon auszugehen, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen über den gesetzlichen Mindestanspruch hinausgehenden Urlaub ohne Anrechnung auf den dem Arbeitnehmer in nächsten Urlaubsjahr gebührenden Urlaub gewährt hat.

Kann Urlaub verjähren?

Ja, der Urlaubsanspruch verjährt nach Ablauf von zwei Jahren ab dem Ende des Urlaubsjahres, in dem er entstanden ist (diese Frist verlängert sich bei Inanspruchnahme einer Karenz). Das bedeutet, man hat drei Jahre Zeit, um Urlaub zu verbrauchen.

Beispiel: Der Urlaubsanspruch ist mit 1.1.2014 entstanden. Von diesem sind noch Urlaubstage offen. Man hat das volle Jahr 2015 und 2016, um den Urlaub zu verbrauchen. Bereits konsumierte Urlaubstage werden immer vom ältesten offenen Urlaub abgezogen.

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