DAS ÖSTERREICH

Tipps für Praktikanten: Vorsicht, Fallen!

Für Praktika in Firmen gibt es oft keine klaren Regeln. Damit es am Ende nicht zu Enttäuschungen kommt, gibt es einiges zu beachten. Erkundigen Sie sich daher besser im Vorhinein über die Details. Die wichtigsten Tipps haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Vor Antritt des Praktikums

Folgende Punkte sollten unbedingt in einem Arbeitsvertrag schriftlich vereinbart werden:

  • Genaue Tätigkeit,
  • Beginn und Ende der Beschäftigung,
  • Arbeitszeit,
  • Entlohnung,
  • eventuell Kost und Quartier sowie einen etwaigen Abzug für Kost oder Quartier .

Auch die Kollektivvertrags-Zugehörigkeit des Betriebes sollte eindeutig festgelegt sein.

Wichtig: Der Arbeitgeber muss (Pflicht-)Praktikanten vor Antritt des Dienst- bzw. Ausbildungsverhältnisses bei der Gebietskrankenkasse anmelden und ihm umgehend eine Abschrift dieser Anmeldung aushändigen.

Während des Praktikums

Führen Sie regelmäßig genaue Tätigkeitsaufzeichnungen und Aufzeichnungen über die tatsächliche Arbeitszeit und bewahren Sie diese gut auf. Wenn nötig, kann damit die Art und Dauer des Arbeitseinsatzes nachgewiesen werden.

Achtung: Überstunden für Jugendliche unter 18 Jahren sind nicht erlaubt!

Nach dem Praktikum

Bloß keine – meist klein gedruckte – Verzichtserklärung unterschreiben!

Wenn zustehendes Entgelt bei einem Dienstverhältnis nicht ausbezahlt wurde (z.B. Urlaubsersatzleistung, Überstundenentlohnung) sollte der Arbeitgeber umgehend und schriftlich zur Nachzahlung aufgefordert werden. Vorsicht: Wer zu lange wartet, kann aufgrund von Verfallsbestimmungen Geld verlieren.

Steuerrechtliches

Wenn Lohnsteuer abgezogen wurde, obwohl keine Lohnsteuerpflicht vorliegt, können Sie diese innerhalb von fünf Jahren mit der Arbeitnehmerveranlagung vom Finanzamt zurückverlangen. Lohnsteuerpflichtig ist, wer über das Jahr gerechnet über 12.000 Euro verdient.

Schutzbestimmungen für Praktikanten

Für Praktikanten, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sieht das Kinder- und Jugendlichen-Beschäftigungsgesetz Beschränkungen der Arbeitszeit und der erlaubten Tätigkeiten vor. Dieses Gesetz gilt sowohl für Arbeitsverhältnisse als auch für Ausbildungsverhältnisse.

Für Praktikanten, die das 18. Lebensjahr bereits vollendet haben, ist die Arbeitszeit hingegen im Arbeitszeitgesetz und im Arbeitsruhegesetz geregelt.

Sozialversicherungsrechtliches

Pflichtpraktikanten, die in unbezahlten Ausbildungsverhältnissen stehen, haben während ihrer Tätigkeit Unfallversicherungsschutz nach dem Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG) bzw. der Schüler- und Studentenunfallversicherung.

Bezahlte Pflichtpraktika unterliegen – sowohl als Arbeitsverhältnisse als auch als Ausbildungsverhältnisse – der Pflichtversicherung nach dem ASVG. Werden Pflichtpraktikanten als Arbeitnehmer beschäftigt, müssen sie vom Arbeitgeber – wie jeder andere Arbeitnehmer – beim zuständigen Krankenversicherungsträger zur Sozialversicherung angemeldet werden.

Übersteigen die Bezüge von Praktikanten die Geringfügigkeitsgrenze (Stand 2015: 405,98 Euro im Monat), sind sie nach dem ASVG vollversichert (d.h. pflichtversichert in der Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung). Verdienen sie weniger als die Geringfügigkeitsgrenze beträgt, sind sie nur unfallversichert.

Wissenswertes zu Pflichtpraktika

Ein Pflichtpraktikum im Rahmen einer Schulausbildung oder eines Studiums ist in der Regel ein Arbeitsverhältnis, kann aber auch ein Ausbildungsverhältnis sein. Das hängt davon ab, ob die Merkmale eines Arbeitsverhältnisses (wie Eingliederung in den Arbeitsprozess, Weisungsgebundenheit, persönliche Arbeitspflicht) überwiegend erfüllt sind oder nicht. Pflichtpraktika im Hotel- und Gastgewerbe sind regelmäßig Arbeitsverhältnisse. Bei einem Arbeitsverhältnis hat man mehr Rechte, zum Beispiel auf Entgelt oder Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Bei Ausbildungsverhältnissen stehen der Lern- und Ausbildungszweck der Tätigkeit im Vordergrund.

Der Praktikant darf nur zu Arbeiten verpflichtet werden, die seiner Ausbildung dienen.

Pflichtpraktika von Schülern der Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe sowie der höheren und mittleren Lehranstalten für Fremdenverkehrsberufe in Hotel- und Gaststättenbetrieben sind nur im Rahmen von Arbeitsverhältnissen möglich.

Reines Ausbildungsverhältnis

Sofern kein Arbeitsverhältnis, sondern ein Ausbildungsverhältnis vorliegt, bedeutet das:

  • kein Lohn oder Gehalt nach dem Kollektivvertrag sondern (wenn vereinbart) ein „Taschengeld“,
  • keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall,
  • kein Anspruch auf Sonderzahlungen oder Urlaubsanspruch.

Dafür gibt es in der Regel keine Bindung an Arbeitszeiten. Im Mittelpunkt muss die Vermittlung von Inhalten passend zur schulischen Ausbildung stehen, nicht eine Arbeitsleistung.

Ferialarbeit

Ferialarbeitnehmer sind Schüler und Studenten, die in den Ferien primär aus Gründen des Geldverdienens arbeiten und wie herkömmliche Arbeitnehmer beschäftigt sind. Ein „Ferienjob“ hat nichts mit einer verpflichtend vorgeschriebenen Ergänzung der schulischen Ausbildung zu tun.

Ferialarbeitsverhältnisse sind in der Regel Arbeitsverhältnisse, für die die arbeitsrechtlichen gesetzlichen und kollektivvertraglichen Vorschriften gelten.

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