DAS ÖSTERREICH

Teenager werden Eltern

Ein minderjähriges Mädchen wird ungewollt schwanger – was nun? Neben der persönlichen familiären Entscheidung - behalte ich das Kind oder nicht – sind auch rechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Die Juristen der D.A.S. Rechtsberatung haben die wichtigsten Fragen zusammengefasst.

Nachdem der erste Schreck überwunden ist, sind bestimmte Überlegungen anzustellen. Der Teenager muss durch ein eigenes Kind früher erwachsen werden als Gleichaltrige. Ist man dazu bereit? Die Schule oder Ausbildung wird dadurch unterbrochen und ein Wiedereinstieg durch die Unterbrechung oft schwerer. Wie sieht das soziale Umfeld aus? Gibt es Großeltern, die unterstützen können? Wie sieht es mit dem Kindesvater aus? Wie alt ist er? Will und kann er diese Rolle übernehmen?

Erste Entscheidungen

Ab dem 14. Lebensjahr kann die Teenagerin selbst bestimmen, ob sie innerhalb der ersten drei Monate einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lässt. Eine Zustimmung der Erziehungsberechtigten ist nicht notwendig, außer es mangelt der mündig Minderjährigen an der notwendigen Einsichts- und Urteilsfähigkeit.

Entscheidet sich die Mutter gegen einen Schwangerschaftsabbruch, stehen mehrere Optionen offen.

Eine Möglichkeit ist, das Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben. Dieses Verfahren wird vom Jugendamt abgewickelt. Die Mutter legt dabei die Form der Adoption (Inkognitoadoption, offene Adoption oder halb offene Adoption) fest. Nähere Informationen rund um das Thema Adoption finden Sie auf der Informationsplattform des Bundeskanzleramtes unter Help.gv.at.

Neben der Adoption kann das Baby für bestimmte oder auch unbestimmte Zeit zu Pflegeeltern gegeben werden. Anders als bei der Adoption behalten die leiblichen Eltern ihre Rechte und treten nur die Pflege und Erziehung an das Jugendamt ab, das in weiterer Folge eine Pflegefamilie damit betraut.

Obsorge erst ab 18

Entschließt sich die junge Mutter, das Baby zu behalten und selbst aufzuziehen, so kann sie erst ab Erreichen ihrer Volljährigkeit, somit nach Vollendung des 18. Lebensjahrs, die Obsorge übernehmen. Gleiches gilt für den minderjährigen Vater des Babys.

Nach dem Gesetz wird vorerst dem Kinder- und Jugendhilfeträger (Jugendamt) die Obsorge übertragen. Er ist für die Vermögensverwaltung des Kindes und die gesetzliche Vertretung zuständig. Vor allem was die Vertretung des Kindes im Außenverhältnis betrifft, wie zum Beispiel gegenüber Behörden oder auch einem Spital. Die Pflege und Erziehung verbleibt aber bei der Kindesmutter. In Abstimmung mit dem Jugendamt kann die Obsorge auf den volljährigen Vater des Kindes oder die Großeltern übertragen werden.

Das liebe Geld

Finanzielle Unterstützung erhält die junge Mutter einerseits vom Kindesvater, da er seinem Kind gegenüber unterhaltspflichtig ist. Ist er dazu nicht in der Lage, kann die Mutter beim Staat einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Weiters ist der Vater verpflichtet, die Kosten der Entbindung zu ersetzen und der Kindesmutter Unterhalt für die ersten acht Wochen danach zu leisten. Sind beide Elternteile nicht in der Lage, ihren Unterhaltspflichten nachzukommen, können auch die Großeltern in die Verantwortung genommen werden.

Eine staatliche Unterstützung erfolgt in Form der Familienbeihilfe und des Kinderbetreuungsgeldes.

Mutterschutz

Auch für minderjährige Schwangere gelten die Regelungen des Mutterschutzgesetzes. Dieses regelt unter anderem ein Beschäftigungsverbot acht Wochen vor dem geplanten Geburtstermin sowie acht Wochen nach der Geburt des Kindes („Schutzfrist“). Darüber hinaus bestehen umfangreiche Schutzregelungen in Hinblick auf Kündigung, Entlassung, Still- und Ruhezeiten sowie besondere Beschäftigungsverbote.

Heiraten als Teenager?

Ab dem vollendeten 18.Lebensjahr ist jeder Mann und jede Frau ehemündig. Mit anderen Worten steht es ab diesem Zeitpunkt jedermann frei, eine Ehe einzugehen. Jugendliche ab dem vollendeten 16. Lebensjahr benötigen von ihrem Obsorgeberechtigten die Einwilligung sowie eine gerichtliche Ehemündigkeitserklärung. Voraussetzungen dafür sind die nötige Reife des Jugendlichen und die Volljährigkeit des zukünftigen Ehepartners. Verweigern die Obsorgeberechtigten die Einwilligung, hat das Gericht sie zu ersetzen, sofern keine wichtigen Gründe dagegensprechen. Das verheiratete minderjährige Kind ist dann rechtlich wie ein Volljähriger zu behandeln – es gilt auch das Jugendschutzgesetz nicht mehr. Auch die Unterhaltspflicht der Eltern entfällt im Regelfall.

Weiterführende Informationen sowie zahlreiche Links für Beratungs- und Servicestellen finden Sie auf der Website des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen.

„Abwarten und Teetrinken“ ist nicht die Devise der Juristinnen und Juristen der D.A.S. Rechtsberatung. Ständig unter Strom sind sie für D.A.S. Kunden im Einsatz und beantworten energiegeladen schriftlich und telefonisch (Kontaktdaten) Rechtsfragen. Um garantiert keine Langeweile aufkommen zu lassen, schreiben sie zusätzlich juristische Artikel und beantworten Rechtsfragen anderer D.A.S. Abteilungen.

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