DAS ÖSTERREICH

Shoppen im Ausland

Sie ist da. Endlich. Sommerzeit ist Urlaubszeit und viele Österreicher zieht es über die Sommermonate weg aus der Heimat - hinaus in die Welt. Ob nun Italien, Türkei oder USA – die Reiseziele sind vielfältig. Nur was tun, wenn das Wetter mal nicht so mitspielt und die Museen bereits alle besucht wurden? Nicht selten wird dem Ruf der Shoppingmeilen und Einkaufspromenaden Folge geleistet. Nur wie war das jetzt nochmal mit dem Zoll bei der Heimreise?

Reiseziele innerhalb der EU

Widmen wir uns zunächst „Good old Europe“. Grundsätzlich werden innerhalb der EU die Steuern in dem Land erhoben, in dem die Waren erworben werden. Für Urlauber bedeutet das, Kaufgegenstände im Reisegepäck können innerhalb der EU ohne Sorge mitgeführt werden. Allerdings keine Regelung ohne Ausnahme. So ist etwa der Erwerb von Tabakwaren und Alkohol nur steuerfrei, solange er für den Eigenbedarf bestimmt ist. Da diese Freigrenzen sich ändern können, ist es ratsam, sich vorab auf der Homepage des Ministeriums für Finanzen zu informieren bzw. die Bezug habende App downzuloaden.

Wird bei Reisen innerhalb des EU Raums ein nicht EU Mitgliedsstaat durchquert, müssen Waren nur deklariert werden sofern die Freigrenze für den Eigenbedarf überschritten wird. In diesem Fall kann etwa die Schweiz für die Durchreise eine Sicherheitsleistung verlangen, die bei der Ausreise in einen EU Staat zurückgegeben wird.

Reiseziele Schweiz, Liechtenstein, Norwegen, Island

Doch nicht alles ist EU obwohl es Europa ist. Innerhalb Europas gibt es Freihandelsabkommen mit nicht EU-Mitgliedstaaten. Im Speziellen gibt es solche mit der Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island. Bei einem Urlaub in der Schweiz sind eigene Wertfreigrenzen und Freimengen zu beachten. Geht die Reise nach Liechtenstein, Norwegen oder Island fallen grundsätzlich keine gesonderten Zölle an, da diese Staaten zum europäischen Wirtschaftsraum gehören.

Reiseziel Türkei

Soll es heuer mal weiter weg gehen und das Reiseziel Türkei lauten, besteht weitgehend kein Grund zur Sorge. Auch hier kann man fröhlich die Basare leer kaufen. Die Türkei gehört neben Andorra und San Marino zur europäischen Zollunion. Daher können Waren zwischen EU Staaten und der Türkei zollfrei verkehren. Voraussetzung ist jedoch, dass sie aus der Türkei oder der EU stammen und mit dem Abkommen konform versteuert wurden. Dies ist anhand einer Warenverkehrsbescheinigung nachzuweisen. Ausnahmen davon gelten beispielsweise für Agrarprodukte.

Reiseziele außerhalb von EU/Europa

Für Weltenbummler heißt es besonders aufzupassen. Einkäufe aus Drittstaaten, die nicht zur EU gehören und mit denen keine Abkommen vorliegen, sind bei der Einreise beim Zollamt zu deklarieren. Allerdings auch hier wieder einige Ausnahmen: Sachen für den persönlichen Gebrauch sind nicht zu melden, Überschreitung der Freimengen und Einfuhrverbote sind zu beachten.

Grundsätzlich gibt es bei der Mitnahme von Waren eine Wertgrenze von 300 Euro bzw. 430 Euro bei Flugreisen, darunterliegende Beträge sind abgabenfrei. Freimengen gibt es für Kraftstoffe, Tabak, alkoholische Getränke und Kaffeeprodukte. Als Beispiel sei hier angeführt, dass Erwachsene für den Eigenbedarf oder auch als Geschenk 200 Stück Zigaretten oder 100 Stück Zigarillos oder 50 Stück Zigarren oder 250 Gramm Rauchtabak mitbringen dürfen. Allerdings nicht alles gemeinsam.

Aufpassen heißt es, wenn die Grenzen überschritten werden. Dann sind bei der Einfuhr Eingangsabgaben zu entrichten, welche sich am Wert des gekauften Gegenstandes orientieren. Es ist somit immer ratsam, die entsprechenden Belege aufzubewahren, da sonst die Zollbehörde den Wert eigenständig feststellt. Das BMF empfiehlt zusätzlich auch bei gebrauchten, neuwertig aussehenden Waren (z.B. Fotoausrüstung) die entsprechenden Einkaufsbelege mitzuführen.

Produktpiraterie

In manchen Ländern kommt man an gefälschten Produkten gar nicht erst vorbei. Es erscheint durchaus verlockend, eine Louis Vuitton Handtasche vom Straßenhändler in Italien oder eine Rolex am „chatuchak market“ in Thailand zu einem Bruchteil des Originalpreises zu kaufen. Damit werden zum einen gezielt Marken-, Urheber-, Patent- und sonstige gewerbliche Schutzrechte verletzt. Zum anderen können Plagiate auch eine ernsthafte Bedrohung für die persönliche Gesundheit und Sicherheit darstellen. So können Allergien, Hautausschläge oder im schlimmsten Fall Verätzungen durch billige, giftige Farbstoffe oder Materialien hervorgerufen werden.

Wird versucht, gefälschte Ware in das Inland zu bringen, kann das Zollamt – sofern alle Beteiligten zustimmen – die Vernichtung oder Zerstörung der Ware in einem abgekürzten Verfahren anordnen. Dabei wird auf eine Entscheidung des Straf- oder Zivilgerichts verzichtet, ob tatsächlich geistiges Eigentum verletzt wurde. Dennoch kann der Rechteinhaber gegen die Person, die das gefälschte Produkt bei sich führte, außergerichtlich oder auch gerichtlich vorgehen. War es zudem leicht erkennbar, dass es sich um eine Fälschung handelt, kann der Rechteinhaber Schadenersatz fordern. Auch die Finanzbehörden können Verwaltungsstrafen bis zu 4.000 Euro bzw. bei Vorsatz bis zu 15.000 Euro verhängen. Hat man die Ware als Letztverbraucher für den Eigenbedarf eingeführt, haftet man aber nur, wenn man von der rechtswidrigen Herkunft wusste.

Sollte man all diese Punkte beachten, steht einem ausgelassenen Urlaubs-Shopping sicherlich nichts im Wege.

Nicht nur Paragraphenreiter, sondern auch leidenschaftlicher Instagramer, Snapchater und Foodpornblogger. Nebst dem Berufsalltag noch Teilzeitstudent. Die Trennung nach dem erfolgreich abgeschlossenem Studium der Rechtswissenschaften war einfach zu schwer.  Um Snaps und Fotos zu beschaffen reist er um die Welt , immer auf der Suche nach dem neuesten Style.

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