DAS ÖSTERREICH

Papa allein zu Haus

Bereits während der Schwangerschaft meiner Frau stand für mich fest, dass ich ebenfalls nach der Geburt unseres ersten Kindes in Karenz gehen möchte. Hat man diese Entscheidung einmal getroffen, stellen sich sehr schnell zwei Fragen: Was sagt mein Chef dazu? Und: Wie lösen wir das finanziell? Ein Erlebnisbericht über meine "Väterkarenz".

Glücklicherweise konnte ich die erste Frage rasch klären und meine Befürchtungen wurden bei dem Gespräch mit meinen Vorgesetzten sofort zerstreut. Als Antwort auf meine Frage erhielt ich lediglich die Gegenfrage, ob ich 6 Monate oder ein ganzes Jahr ausbleiben werde. Etwas neidisch auf diese großartige Möglichkeit, „die es ja zu Ihren Zeiten noch nicht gab“, haben mich meine beiden Vorgesetzten nicht nur ermuntert in Karenz zu gehen, sondern auch gleich mit einigen Tipps im Umgang mit einem Baby ausgestattet. Vielen Dank noch einmal an dieser Stelle!

Eine derartige Unterstützung vom Arbeitgeber ist leider nicht immer selbstverständlich. Obwohl die Väterkarenz gesetzlich geregelt ist, haben mir viele Freunde und Bekannte berichtet, dass sie dieses Angebot bei ihrem Job (und Ihren Vorgesetzten) nicht in Betracht ziehen könnten.

Viel schwieriger als gedacht war die finanzielle Hürde oder besser gesagt, durch den Antragsdschungel zum Kinderbetreuungsgeld zu kommen. Den ersten Monat waren meine Frau und ich gemeinsam in Karenz und von Mitte Juli bis Mitte August habe ich die Betreuung unseres Nachwuchses übernommen. Für diese Konstellation mussten wir insgesamt 3 Anträge bei der Gebietskrankenkasse einreichen und jeweils Unterlagen wie Geburts- und Heiratsurkunde nachreichen, die bei der Antragsstellung zunächst nicht verlangt wurden.

Abgesehen von den bürokratischen Stolpersteinen waren diese beiden Sommermonate mitunter die schönsten meines Lebens. Ab dem ersten Tag zu Hause war der Arbeitsalltag vergessen. Sofort sieht Mann sich mit ganz anderen Aufgaben konfrontiert, die da lauten: Gleich nach dem Aufstehen Essen zubereiten, Füttern, das Baby von den Essensresten befreien, den Hochstuhl putzen, den Fußboden aufwischen, die Wand abwischen, danach wickeln, hoffen, dass der Überlaufschutz hält was er verspricht, sonst umziehen, Spielen, dazwischen selbst schnell essen, Kabeln vor Baby schützen, Blumen vor Baby schützen, Regale vor Baby schützen, Baby vor Kanten und Stiegen schützen, nach ca. 1 Std erneut Essen zubereiten und füttern usw. Aber das berühmte Babylächeln entschädigt die Eltern für Schlafentzug in der Nacht, Unmutsgebrüll am Tag, lautes Weinen an der Supermarktkasse, Schmutz und Unordnung in der Wohnung. Das glauben Sie nicht? Es stimmt aber . . . wenn dich dein Baby angrinst oder lacht, zum ersten Mal sitzt, aufsteht und geht oder einfach nur fest und zufrieden schläft, dann sind alle Mühen und Strapazen vergessen. Vor allem beim wohlverdienten Schlaf . . .

All diese Momente habe ich während meiner Karenz erlebt und diese Erlebnisse möchte ich nicht missen. Ich kann nur jedem Vater empfehlen, wenn irgendwie möglich, diese Chance zu nutzen um diese wertvolle Zeit mit seinem Kind zu verbringen.

Einige Fakten über die Väterkarenz

Wie gesagt ist der Anspruch auf Väterkarenz im Väterkarenzgesetz geregelt. Der Karenzanspruch (=Freistellung vom Betrieb) ist dabei streng vom Anspruch auf das Kinderbetreuungsgeld zu trennen. Die Väterkarenz kann spätestens bis zur Vollendung des 2. Lebensjahres des Kindes in Anspruch genommen werden und muss dem Arbeitnehmer auf Verlangen vom Arbeitgeber gewährt werden. Die Mindestdauer beträgt 2 Monate. Der Kündigungsschutz beginnt mit der Bekanntgabe der Karenz, frühestens jedoch 4 Monate vor Antritt. Im Anschluss an die Karenz der Mutter muss die Bekanntgabe spätestens 3 Monate vor Ende der Karenz der Mutter erfolgen. Weitere Infos gibt es unter: Väter in Karenz (eine Seite des Bundesministeriums für Bildung und Frauen).

Unabhängig von der Karenz gibt es in Österreich 5 verschiedene Bezugsvarianten für das Kinderbetreuungsgeld. Unterschieden werden vier Modelle mit Pauschalleistungen und ein einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld. Wichtig: Das Kinderbetreuungsgeld gibt es nur auf Antrag bei der zuständigen Gebietskrankenkasse. Der Antrag sollte unmittelbar nach der Geburt gestellt werden. Die Leistungen können nur 6 Monate rückwirkend geltend gemacht werden. Wenn sich die Eltern beim Bezug abwechseln (Väterkarenz), so muss auch der zweite Elternteil einen eigenen Antrag ausfüllen und an seine Krankenkasse schicken. Da eine Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen jedoch erst zeitnahe zum Bezugsbeginn erfolgen kann, wird empfohlen, den Antrag erst etwa vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Wechsel zu stellen. Die Informationen sind ein Auszug aus der Homepage des Bundesministeriums für Familien und Jugend. Dort gibt es auch noch umfassendere Information zu den einzelnen Bezugsvarianten und Anspruchsvoraussetzungen: http://www.bmfj.gv.at/familie/finanzielle-unterstuetzungen/kinderbetreuungsgeld.html

Direkt nach dem Jus-Studium landete er bei der D.A.S. im RechtsService. Es folgte ein spannendes Jahr in der Versicherungstechnik und schließlich die große neue Herausforderung: Produktentwicklung. Dort hat er tatkräftig an den neuen Produkten für 2015 mitgearbeitet.  Die Freizeit gestaltet derzeit der 14 Monate alte Nachwuchs, wobei die Hobbies wie Fußball oder Klettern für den Junior gerne vernachlässigt werden. Immerhin bleibt ja noch die (fast) tägliche Radfahrt in die Arbeit als sportlicher Ausgleich.

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