DAS ÖSTERREICH

Ein Bayer in Österreich oder „Wie ich auszog, um die Bürokratie kennenzulernen“ – Teil1

Es trug sich zu im Jahre des Herrn 2014….. Nach ein paar Gesprächen im schönen Wien, die allesamt sehr angenehm und fruchtbar verlaufen sind, entschloss ich mich, im schönen Österreich zu arbeiten und dann auch zu leben.

Frohen Mutes packte ich ein Haufen Zeug in mein Auto und fuhr in einer tiefen und verschneiten Winternacht nach Wien. Österreich empfing mich mit Schneesturm, Nebel, Schneeregen – das volle Programm. Nach etlichen Stunden Fahrzeit konnte ich nun endlich mein müdes Haupt zur Ruhe betten.

Montagmorgen, los geht’s, der Job ruft………….
Nach diversen Besprechungen, Einführungen und Kennen lernen war der Tag vorbei und ich begann mich schlau zu machen, was ich hier in Wien alles an Formalitäten erledigen muss.

Ah ja, ich muss mich hier ja anmelden. Ok, dann los. Öffnungszeiten gecheckt, Anfahrt gescheckt. Um 07:45 Uhr bin ich da. Ah, es geht doch nicht um 07:30 los, erst um 8 Uhr. Schnell einen Kaffee um die Ecke geholt und dann konnte ich auch schon eine Nummer ziehen.
– Grüß Gott, ich möchte mich in Wien melden, ich wohn jetzt hier.
– Ah ja, hallo, Ausweis, Bestätigung Vermieter bitte.
– Mein Ausweis, bitte. Was für einen Bestätigung?
– Dass sie hier wohnen.

Hm, Mist, na ja, kurz in der Firma angerufen, schwupps, die Bestätigung war schon per Fax da. Auch in österreichischen Amtsstuben gibt es ein Fax!
Puuh, alles gut, ich hab den Meldezettel. Kaum im Büro kommt ein Mail, der Stempel der Firma fehlt!!!!!!! Na gut, gestempelt und zurück gemailt – das wars!!! Kaum zu glauben.

Halt, was hab ich denn noch für einen Zettel bekommen? Wenn ich länger in Österreich bleibe (über 3 Monate) muss ich einen Antrag stellen? Wieso denn? Ich bin EU-Bürger, habe doch das Recht des freien Zuzugs und der Wohnortwahl? Hab ich mir gedacht. So nicht. Wenn ich kein illegaler, steuerzahlender Ausländer sein will, dann muss ich in 4 Monaten auf dem Magistrat gewesen sein.

OK, mach ich dann.
In der Zwischenzeit wollte die Personalabteilung wissen, wohin ich mein Gehalt überwiesen haben will. Klar hab ja ein Konto, ist zwar deutsch, aber in Zeiten von SEPA, IBAN, BIC sollte das alles gehen.

Nein!!! Das geht nicht. Die österreichischen IBAN  Stellen stimmen nicht mit den deutschen überein. Daher maschinell nicht verarbeitbar. Super…… auf zur Kontoeröffnung. Ich wollt schon immer mal ein paar Konten über Europa verteilt haben, man weiß ja nicht, für was man das alles brauchen kann.

In der Bank lief dann alles erstaunlich reibungslos, anfangs. Ausweis, Meldezettel (hab ich!) und schon hatte ich ein Konto. E-Banking, kein Problem. Daueraufträge via E-Banking ins Ausland? Hm, ja also, das geht nicht. Was? Das können sie im Telefonbanking einrichten lassen. Telefonnummer? Ach ja, deutsches Handy, ein österreichisches hab ich noch nicht. Ok, das geht. War ich froh, als ich wieder draußen war.

Handy? Stimmt, brauch ich noch. Ausweis – hab ich, Meldezettel – hab ich, Österreichische Bankverbindung – hey, hab ich jetzt auch, alles richtig gemacht. Bin stolz auf mich.
So, jetzt kann ich mal was arbeiten …

Seit 2015 als Leiter BildungsServiceVertrieb tätig. Als Bayer, mit einigen Stationen in ganz Deutschland, jetzt im „Ausland“ verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung im Vertrieb. Privat bleibt er wahrscheinlich noch lang ein „Bayer in Österreich“. Ausgleich für die Fachlichkeit bieten jede Menge Bücher und die Entdeckung der neuen zweiten Heimat Österreich.

1 Kommentar

  1. Markus Dechner am 1. April 2016 um 14:59

    Vor vier Jahren kam ich auch von Bayern nach Wien und war auch überrascht über die bürokratischen Hürden. Und auch heute noch nach vier Jahren gibt es ab und an noch bürokratische Überraschungen. Das gilt aber überall in der EU, wo die Gräben zwischen den Ländern tiefer sind, als man glaubt, was letztlich immer nachvollziehbar ist, wenn man bedenkt, dass jeder Staat natürlich ein individuelles Rechtssystem/eine staatenbezogene Gerichtsbarkeit hat. Ich habe gerade neue Freunde in Großbritannien und erlebe auch bei dieser Grenze erstaunliche Hürden. Verschiedene Beispiele bezüglich der deutsch-österreichischen oder enland-österreichischen Grenzüberschreitung: Ich habe keinen Paketdienst gefunden, mit dem ich ein 1 m x 1 m x 30 cm – Paket von Österreich nach England schicken hätte können. Zu groß für Post, DHL und alle anderen. Es ginge nur per Spedition, aber die nehmen nur gewerbliche Lieferungen oder verlangen mehrere hundert Euro, was unsinnig ist bei einem Paketinhalt von unter 100 Euro.
    Oder: Viele Online-Shops aus Deutschland liefern nach Österreich nur gegen Vorauskasse, was den ganzen Bestell-und Liefervorgang sehr langsam macht (wollte Übergrößen-Bekleidung aus Deutschland bestellen, da es in Österreich in derartigen Randbereiche sehr wenige Shops oder Onlineshops zur Auswahl gibt). Läderübergreifende Versicherungen gibt es in vielen Bereichen gar nicht. Die Freundin, die von Österreich nach England gezogen ist, war während des Umzuges für einige Tage ohne Krankenversicherung und andere wichtige Versicherungen unterwegs, weil sie sich aus reisetechnischen Gründen schon ein paar Tage früher in Österreich von der Krankenversicherung abmelden musste, aber auch noch nicht in England gemeldet war, da sie mit kurzem Zwischenstop in Deutschland noch unterwegs war. Was wäre bei einem Autounfall nun passiert? Weder in Österreich noch in England kranken- und haftpflicht versichert zu sein? Auch für Studenten, die zwischen den Ländern pendeln, gibt es jede Menge Fallstricke, gerade im Banken- und Versicherungsbereich. Da heißt es manchmal einfach „gibt es nicht“, weil Leben in zwei Staaten auch in den modernen Zeiten bei Behörden und angebotenen Dienstleistungsprodukten einfach nicht vorgesehen ist. Noch ein Beispiel: Ich besitze seit jahrzehnten eine Kreditkarte einer deutschen Bank, auch mein Umzug nach Wien war kein Problem. Jetzt bin ich aber innerhalb Wiens umgezogen, und das geht auf einmal für die deutsch Bank nicht mehr, weder gibt es dafür das passende Online-Formular und überhaupt wissen sie nicht so recht, wie sie damit umgehen sollen. „Ein Deutscher, der bei der deutschen Bank eine Kreditkarte hat, aber nicht in Deutschland lebt, hm?“ Für den Fall, dass ich Ausländer, etwa Italiener wäre, der mal in Deutschland gelebt hat und dort die Kreditkarte bekommen hat und nun wieder in Italien leben würde und dort umziehen würde, für diesen Fall gäbe es ein Formular. Tja, mit all solchen beschränkten Horizonten hat man es zu tun und verliert dabei viel kostbare Zeit, die man lieber mit erholsamer Freizeit gefüllt hätte.

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