DAS ÖSTERREICH

Durchaus Heiteres aus dem Leben eines Schadenreferenten oder Die bunte Welt des RechtsService

Darf man über das Missgeschick anderer Menschen lachen? Nun, ganze Legionen von Kabarettisten leben davon – das ist zwar nicht die Antwort auf die Frage, aber wir nähern uns ihr an, denn immerhin sollen diese Art von Unterhaltungskünstlern ja den Zeitgeist darstellen. Und bei den ausverkauften Hallen von Resetarits, Vitasek & Co muss dieser ganz gut getroffen sein. Von Kalibern wie Monty Phyton gar nicht zu reden. Außerdem, das Publikum (fast hätte ich "Volk" geschrieben, aber das erscheint mir politisch doch nicht ganz korrekt) kann doch nicht irren (das Volk übrigens schon!)...

Nun zurück zur Antwort auf die Frage, ob man über andere lachen darf – um es mit einem derzeit als Dauergast im TV zu sehenden werbenden Exfußballer zu sagen, über den vielleicht nicht gelacht wird, aber über den man sich lustig macht, wenn auch neidvoll mit einem Seitenblick auf die Werbegage: „Ich sag einmal so: naja“ – Naja, typisch – zwar mitreden wollen, aber sich nicht festlegen.

Also darf man oder darf man nicht ? Verschieben wir die Frage an das Ende dieses Blogs, vielleicht können einige Beispiel aus dem bunten Leben eines Schadenreferenten Licht in das unbestimmte „naja“ bringen.

Die handelnden Personen und Institutionen sind natürlich unsere Versicherungsnehmer, die Gerichte und Behörden (vornehmlich die Polizei), dann noch Rechtsanwälte und natürlich sind es auch wir selbst, die oft unabsichtlich für Humor gesorgt haben.

Keine Angst, ich werde keine Namen nennen, es soll ja schließlich kein Schlüsselblog werden, und zumeist geht es ja gar nicht um die handelnde Person, sondern um die Tücke des Objekts, die einem das Leben so schwer macht, dafür aber die Laune des unbeteiligten Dritten erhellt.

Wo anfangen, wenn man schon mehrere Jahrzehnte mit diesen Kuriositäten zugebracht hat und vor allem: Welche aussuchen und wie bewerten? Manches, worüber man lacht, führt bei einem anderen vielleicht nicht zum gleichen Heiterkeitsausbruch. Also einfach anfangen – das erste Buch der gesammelten Versicherungsschmankerln (ja, die gibt es wirklich schon in gebundener Fassung) herausholen und aufschlagen:

Im Verkehrsdschungel

Nach einem Verkehrsunfall – die Meldung an die Haftpflichtversicherung:

Mercedes fuhr, ich auch. Mercedes bleibt stehen, ich nicht. – Bum – Auto kaputt, große Wut!“

Das ist nicht die Kurzfassung, sondern die gesamte Schilderung des Unfallhergangs. Naja eigentlich eh ausreichend, man weiß, was passiert ist und sogar wie, also was will man als Schadenreferent denn mehr.

Da ist die nächste Schadenmeldung in ihrer Ausführung schon etwas detaillierter:

Ein Hase sprang plötzlich auf die Straße, rannte gegen mein Fahrzeug, ich erschrak dadurch, verriss mein Fahrzeug, bremste es u. rutschte gegen einen Straßenpflock. Meiner Ansicht nach ist der Hase an dem Unfall schuld.“     

Nun zu einer einzelnen Pferdestärke:

Ich war auf der Koppel mit meinem Pferd. Gleichzeitig ging Fr. Brigitte B. – ihr Pferd longierend – zum Reitplatz und schlug ganz unmotiviert gegen mein Pferd aus.“

Manchmal würden ein paar Worte mehr doch Missverständnisse vermeiden!  Wie auch bei folgender Meldung:

„Das Auto trägt den Namen meiner Gattin.“    

Und nun ein Klassiker, von dem man gar nicht glauben kann, dass er nicht erfunden ist:

„Ich teile Ihnen nun mit, dass ich für den Dachschaden des Hrn. S. nicht verantwortlich bin und somit auch nicht daran denke, diesen zu bezahlen.“  

In einer Hitparade der Versicherungsschmankerl wäre das jedenfalls für mich die Nr.1 !

Anwälte sind auch nur Menschen

So, jetzt genug von Versicherungsnehmern, man könnte ja meinen, alle wären so.

Rechtsanwälte sind ja auch nur Menschen und geben daher auch Menschliches von sich, wie dieser deutsche Rechtsanwalt, der doch allen Ernstes bei einem österreichischen Kollegen folgendes anfragte: „Bitte benennen Sie uns einen Österreichischen Kollegen, der uns in diesem Verfahren könnte!“

Ein Wort vergessen kann ja passieren, oder?

Aber damit noch nicht genug von deutschen Anwälten: Bei unserer deutschen Muttergesellschaft hat einmal eine Anwältin ersucht,ihr einen deutschsprachigen Kollegen in Österreich zu benennen“.

Nun, diese Anwältin hat scheinbar sogar den gesamten Geographieunterricht vergessen und hatte übrigens einen durchaus polnisch klingenden Namen.

Auch österreichische Rechtsanwälte können mitunter unfreiwillig komisch sein, wenn z.B. an den eigenen Mandanten geschrieben wird:

„Ihre Anwesenheit bei der nächsten Verhandlung ist nicht erforderlich und meinerseits auch nicht erwünscht.“

Vielleicht hat der Anwalt seinen Mandanten so gut gekannt und wollte nur vorbeugen – nicht umsonst heißt es immer. „Der größte Feind des Anwalts ist der eigene Mandant oder Zeuge“, wie auch aus dem Berichtsschreiben eines seiner Kollegen hervorgeht:

„Der Zeuge gab an, dass es sich nur um Reparaturkosten handle. Leider hat sein Geist nicht so weit gereicht, dass er sich das während der ganzen Verhandlung gemerkt hätte. Kurze Zeit später konnte er sich nicht mehr erinnern“.

Heiteres Bezirksgericht

Aber noch lieber lese ich Protokolle von Gerichten und Behörden – gerade die Anonymität der handelnden Personen ermöglicht oft ein herzerfrischendes Lachen ohne bewusst über jemand lachen zu müssen. Wie z.B.:

Ladung durch das Gericht zur Einvernahme von Zeugen zum Beweisthema „Sportplatzrauferei zu fortgeschrittener Stunde in entsprechender Atmosphäre“. Übrigens, sämtliche Beschuldigte wurden freigesprochen.

In einem Polizeiprotokoll war zu lesen: „Kästen und Schubladen wurden in Ermangelung selbiger nicht durchwühlt.“  NoNa, fällt einem dazu ein, aber irgendetwas muss der Polizeibeamte ja hineinschreiben. Da hatte der nächste weniger Schwierigkeiten, etwas Handfestes zu finden:

„Von Revierinspektor K. und mir wurde W. daraufhin am Oberarm erfasst und durch psychologische Einwirkung zu einem Mitkommen zum Funkwagen bewegt.“    

Ich stell mir das so bildlich vor, wie sie ihm gut zugeredet haben…

Dagegen hat die Zeugenaussage in einem Gerichtsprotokoll schon fast etwas Philosophisches in sich: „Ich war zum fraglichen Zeitpunkt…“    

Und manchmal ist das Gericht geradezu praxisorientiert:

„Der Zeuge P. erschien dem Gericht als Handwerker, dem gutes und exaktes Arbeiten ein Anliegen ist (ein Umstand, der ja nahezu Ausnahmecharakter hat).“

Und manchmal will man eigentlich nicht alles im Detail wissen, wie in folgender Strafverfügung zur Tatbeschreibung zu lesen war:

1.) Durch die Ankündigung und Ausführung eines Darmwindes den öffentlichen Anstand verletzt zu haben

2.) Durch Ihr Verhalten, welches geeignet ist, Ärgernis zu erregen, die Ordnung an einem öffentlichen Ort gestört zu haben. Sie haben in Anwesenheit von 3 Gendarmen angekündigt „Jetzt lasse ich einen Schas“ und diesen dann hörbar entweichen lassen.

Nobody´s perfect…

Aber niemand ist perfekt und deshalb schließe ich meine nur sehr fragmentarische Auswahl an Heiterkeiten aus der Versicherungswelt mit einem Versprecher (oder eher Verschreiber) aus einem Brief einer Kollegin ab:

„….dass Sie sich auf den Tatbestand der üblichen Nachrede gestützt haben….“

Für alle Nichtjuristen: § 111 StrafGesetzbuch: „Üble Nachrede“

Und wenn Sie über den einen oder anderen Lapsus zumindest geschmunzelt haben, so wäre die Anfangsfrage positiv beantwortet, denn in keinem der Fälle hatte man eine bestimmte Person vor Augen und es ist keinerlei Schadenfreude aufgekommen. Im Gegenteil, in einigen Fällen hatte man auch das Gefühl, das kann einem auch passieren.

  • arbeitet schon fast ewig bei der DAS (seit 1981)
  • zeichnet und malt seit seiner Kindheit – mit zunehmenden Alter immer mehr und immer größer
  • hätte gern Kunst und Kunstgeschichte studiert
  • hält Kunst und Kultur für lebensnotwendig

1 Kommentar

  1. Alexander Hoflacher am 5. August 2017 um 17:20

    Ich möchte dies ergänzen mit meinem Lieblingszitat welches ich von einem Anwalt gezeigt bekommen habe. Das Gericht schrieb dem Anwalt in der Ladung: „…und der Kläger ist von ihnen zur Verhandlung umzubringen!“

    Fand ich etwas drastisch. Aber wenn es nunmal das Gericht so will ;)

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