DAS ÖSTERREICH

Das Glück dieser Erde…

... liegt auf dem Rücken der Pferde. Doch es kommt immer wieder zwischen Pferdeliebhabern und Anrainern zu Meinungsverschiedenheiten, was die Straßenbenutzung durch Reiter und den damit verbundenen Unannehmlichkeiten wie Pferdemist und eingeschränkte Fahrmöglichkeiten für Autofahrer betrifft. Die Experten der D.A.S. Rechtsberatung informieren über die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Darf man mit Pferden öffentliche Straßen benutzen?

Grundsätzlich ist das Reiten auf öffentlichen Verkehrsflächen erlaubt. Ausgenommen sind jedoch Autobahnen und Autostraßen. In erster Linie sollten die Reitwege benützt werden. Sind solche nicht vorhanden, darf man nur auf der Fahrbahn gehen (§ 79 StVO). Dabei sollte sich der Reiter möglichst weit rechts auf der Straße bewegen. Nicht erlaubt ist die Benützung von Straßenbanketten, Gehsteigen oder -wegen, Geh-und Radwegen oder Fußgängerzonen. In Wohnstraßen ist das Reiten wiederum erlaubt.

Wald- und Forstwege dürfen nur mit Zustimmung des Waldeigentümers bzw. des Erhalters des Forstweges benutzt werden. Bei vielen Forstwegen ist das Reiten durch eine entsprechende Beschilderung erlaubt.

Darf jedermann auf der Straße reiten?

Der Reiter muss das 16. Lebensjahr vollendet haben. Jüngere Personen benötigen eine erwachsene Begleitperson.

Außerdem muss der Reiter eine entsprechende körperliche Eignung vorweisen können und das Pferd beherrschen. Mit anderen Worten: Der Reiter muss die notwendige Körperkraft haben, um auf das Reittier entsprechend einwirken zu können und des Reitens kundig sein. Er muss die Grundsätze des Reitens kennen und können, wobei der Besitz des Reiterpasses ein Indiz für die Erfüllung dieser Voraussetzungen darstellt.

Dem Reiter müssen die Regeln der Straßenverkehrsordnung bekannt sein und er muss auch in der Lage sein, sich entsprechend zu verhalten.

Die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind sinngemäß auf das Verhalten von Reitern anzuwenden. So sind zum Beispiel Lichtzeichen (Ampeln), Verkehrsschilder und Vorrangregeln zu beachten. Änderungen der Gehrichtung sind durch Armzeichen anzuzeigen.

Welche Sicherheitsmaßnahmen für Pferd und Reiter sollten noch beachtet werden?

Pferde und ihre Reiter sind KFZ-Lenkern gegenüber gleichgestellte Verkehrsteilnehmer. Autofahrer haben keine Vorfahrt. Vorbeifahrende Autofahrer sollen einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten. Je nach Breite der Straße und Geschwindigkeit des Autos ist beim Überholen oder Vorbeifahren ein Seitenabstand von 1,5 bis 2m ratsam. Ist ein ungehindertes Vorbeifahren nicht möglich, ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 3 Metern hinter dem Pferd einzuhalten. Hupsignale und ähnlich laute Geräusche, wie etwa den Motor aufheulen lassen, sind zu unterlassen. Die Pferde könnten sonst scheuen. Der Vertrauensgrundsatz der StVO gilt prinzipiell für den Reiter, aber nicht für das Pferd. Autofahrern sollte demnach bewusst sein, dass Pferde leicht erschrecken und unerwartet reagieren können.

Bei Benützung der Fahrbahn trifft den Reiter bei Dämmerung, Dunkelheit, starkem Nebel oder wenn es die Witterung sonst erfordert eine Beleuchtungspflicht. Der Reiter muss an der linken Seite des Pferds eine hellleuchtende Laterne anbringen, wenn die Straßenbeleuchtung nicht ausreicht.

Muss der Reiter die Pferdeäpfel, die sein Pferd auf die Fahrbahn fallen lässt, entfernen?

Seitens des Gesetzgebers gibt es keine eigene Vorschrift, wonach Reiter verpflichtet sind, die Hinterlassenschaften ihrer Pferde von der Fahrbahn zu entfernen. Einige wenige Gemeinden in Österreich haben aber in ihrem Wirkungsbereich Verordnungen mit einer entsprechenden Wegräumpflicht erlassen.

§ 92 StVO regelt die „Verunreinigung der Straße“: „ Jede gröbliche oder die Sicherheit der Straßenbenützer gefährdende Verunreinigung der Straße durch feste oder flüssige Stoffe, insbesondere durch Schutt, Kehricht, Abfälle und Unrat aller Art, sowie das Ausgießen von Flüssigkeiten bei Gefahr einer Glatteisbildung ist verboten.“ Es kommt auf den Einzelfall an, ob Pferdemist eine die Sicherheit der Straßenbenützer gefährdende Verunreinigung darstellt. So zum Beispiel stellen Pferdeäpfel nach einer engen Kurve auf einer von Fahrradfahrern beliebten Strecken ein Sicherheitsrisiko dar. Im ländlichen Bereich, wo Landstraßen oft auch durch Erdbrocken von Traktorenreifen verunreinigt sind, wird aber keine gröbliche Verunreinigung im Sinne der Straßenverkehrsordnung vorliegen.

Wer bezahlt den Schaden, der durch ein Pferd verursacht worden ist?

Grundsätzlich haftet der Pferdehalter mit seinem privaten Vermögen für Schäden, die von seinem Pferd verursacht worden sind. Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, eine Pferdehaftpflichtversicherung abzuschließen. Da bei Unfällen mit Pferden aber große Schäden entstehen können, ist eine derartige Versicherung sehr zu empfehlen.

„Abwarten und Teetrinken“ ist nicht die Devise der Juristinnen und Juristen der D.A.S. Rechtsberatung. Ständig unter Strom sind sie für D.A.S. Kunden im Einsatz und beantworten energiegeladen schriftlich und telefonisch (Kontaktdaten) Rechtsfragen. Um garantiert keine Langeweile aufkommen zu lassen, schreiben sie zusätzlich juristische Artikel und beantworten Rechtsfragen anderer D.A.S. Abteilungen.

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