DAS ÖSTERREICH

Ciao Mama – Hallo Wohngemeinschaft

Die Schulzeit/Ausbildung ist geschafft. Der Weg ins selbstständige Leben führt viele jungen Menschen aus dem Hotel Mama in die eigenen vier Wände. Doch Wohnraum ist besonders in den größeren Städten teuer. Deshalb finden sich immer mehr Wohngemeinschaften (WG) zusammen. Wie Sie beim Zusammenwohnen Stolpersteine vermeiden, lesen Sie hier.

Mehrere Menschen teilen sich eine Wohnung. Das kann viele Vorteile mit sich bringen. Die BewohnerInnen können sich die Kosten und die Hausarbeit teilen. Es bieten sich sicher viele Möglichkeiten für gesellige Abende und gemeinsame Unternehmungen.

Nicht immer verläuft das WG Leben aber nur harmonisch.

Vermeiden Sie folgende Stolpersteine und ersparen Sie sich Geld und Ärger beim Zusammenwohnen.

Putzteufel und Chaosqueen/king

Die Mitbewohnerin lässt gerne benutzte Teller eine Weile stehen während der Zimmernachbar gerne die Küche in möglichst keimfreien Zustand vorfindet.
Bei diesem Klassiker sind Konflikte vorprogrammiert. Im besten Fall klärt man im Vorhinein die Ansprüche an Sauberkeit und Ordnung in der gemeinsamen Wohnung. Schließlich sollen sich alle wohlfühlen. Abhilfe gegen unterschiedliche Vorstellungen bei den Reinigungsintervallen schafft ein Putzplan. Darin sollte genau festgelegt werden, wer zu welchem Zeitpunkt welchen Bereich in welcher Weise putzen soll.

Partytiger und Stubenhocker 

Endlich ausgezogen von zuhause nutzen viele junge Menschen die neugewonnene Freiheit, um ausgelassen zu feiern. Solange alle WG Bewohner und Nachbarn damit einverstanden sind, ist das auch völlig ok.

Problematisch wird das Partyleben erst, wenn sich jemand dadurch gestört fühlt. Wie das gesellschaftliche Leben in der WG aussehen soll, sollte man am besten vor dem Zusammenziehen klären. Es können auch „Ruhezeiten“ eingeführt werden, wenn beispielsweise Prüfungen anstehen oder jemand zur Arbeit muss. Es ist sicher eine schöne Sache, wenn man mit jemandem zusammenlebt, mit dem man außer Kühlschrank, Bad und Esstisch auch noch gleiche Interessen teilt. Trotzdem sollte die Privatsphäre auch von guten Freundinnen und Freunden respektiert werden. Wenn die Zimmertür zu ist – unbedingt anklopfen. Wenn dem Mitwohner/der Mitbewohnerin gerade nicht nach persönlichem Austausch ist, sollte auch das respektiert werden.

Kühlschrank-Kommunisten und Eigenbrötler 

Hohes Konfliktpotenzial besteht auch im Einkauf von Produkten des täglichen Gebrauchs. Damit niemand beim Lebensmitteleinkauf benachteiligt wird, sollte vorher überlegt werden, wie die Ansprüche der betroffenen Personen aussehen. Wenn Gourmets und Raviolidosenfans aufeinander treffen, wird es wenig Sinn machen, ein gemeinsames Budget für den Lebensmitteleinkauf bereit zu stellen. Durchaus sinnvoll ist ein Haushaltsbudget für Anschaffungen, die man gemeinsam machen muss (z.B. Putzmittel, HandwerkerInnen, …).

Bis einer auszieht….

Auslandssemester, Beziehungen, Streitigkeiten – es gibt zahlreiche Gründe, warum eine Wohngemeinschaft beendet wird. Das Mietrecht bietet in dieser Hinsicht schon einige Stolpersteine. Wenn zum Beispiel alle Bewohner als Hauptmieter im Vertrag sind, kann der Vertrag auch nur von allen Hauptmietern gekündigt werden. Es haften auch alle Hauptmieter solidarisch für den Mietzins (= jeder einzelne haftet für den gesamten Mietzins gegenüber dem Vermieter). Problematisch wird der Auszug eines Einzelnen. Dieser müsste den Vertrag einvernehmlich mit dem Vermieter auflösen. Oft kann jemand anderer nur mit Zustimmung des Vermieters als Hauptmieter in den Vertrag eintreten.

Auch Untermietverhältnisse bergen Gefahren. Schließlich ist man abhängig vom Hauptmieter und hat gegenüber dem Vermieter keine direkten Rechte. In manchen Mietverträgen ist Untermiete gar nicht erlaubt.

Am besten wird für diesen Fall schon vor Vertragsabschluss vorgesorgt. Haben Sie Freunde, die in einer WG leben? Sehen Sie sich deren Mietverträge einmal an.

Wichtig: Fertigen Sie vor dem Bezug der Wohnung ein Übernahmeprotokoll an (Was war kaputt…?) und machen Sie auch Fotos vom Originalzustand der Wohnung. Treffen Sie schon Regelungen für den Fall eines Auszugs bei Abschluss des Mietvertrags. (Kündigungsfrist, Regeln zur Nachmietersuche, Verständigung des Vermieters,…)

No risk no fun?

Lieber abgesichert! Wichtig ist eine Haushaltsversicherung (mit eingeschlossener Privathaftpflichtversicherung). Am besten erkundigen sie sich bei einem unabhängigen Versicherungsmakler, wer die Versicherung abschließen sollte und was genau versichert werden soll. Meistens verlangt der Vermieter einer WG eine Haushaltsversicherung im Hauptmietvertrag. Das Hinterlegen einer Kaution ist außerdem durchaus üblich.

Waschmaschinen und Kühlschränke als „Scheidungskinder“

Sie haben zusammen verschiedenste Geräte angeschafft. Jemand möchte ausziehen oder die WG löst sich auf? Klären Sie im Vorfeld ab, wie Sie solche Fälle handhaben wollen. Schließlich können so schnell Streitereien entstehen. Im Idealfall bekommt man vom Nachmieter eine Ablöse für die Geräte und teilt sich das Geld auf.

Von Katzenwäsche und Badezimmerbelagerung

Oft führen Kleinigkeiten zu großen Konflikten. In WGs sollte die Nutzung des Badezimmers unbedingt abgesprochen werden. Wer in der Früh lange im Bad braucht, muss eben früher aufstehen, damit alle genug Zeit für die Morgenhygiene haben.

Bis Jänner 2018 war Katharina Waltner für den D.A.S. Online-Bereich zuständig.
In ihrer Freizeit vertieft sie sich sehr gerne in Bücher und Zeitschriften. Als leidenschaftliche Kino-Geherin ist sie gerne zu Auskünften zur Popcornfrische in den verschiedensten Lichtspieltheatern bereit.

3 Kommentare

  1. MArko am 3. September 2016 um 13:36

    Hi, schöner Beitrag, ich habe mich hier auf http://vergleich-haushaltsversicherung.at erkundigt und unsere WG hat dann eine Versicherung abgeschlossen. Ist dies eigentlich für alle lebenden in der WG auch gültig dann. Haben alle 4 Mitbewohner auch aufgeführt.

    Lg Marko

    1. Stephanie Scheubrein am 5. September 2016 um 11:09

      Lieber Marko,

      bei einer Haushaltsversicherung ist grundsätzlich der gesamte Hausrat des Versicherungsnehmers geschützt. Mitversichert sind auch die Ehegatten/Lebensgefährten, Kinder und Verwandten, die im selben Haushalt wohnen. Da bei Wohngemeinschaften regelmäßig kein derartiges Naheverhältnis besteht, müssen alle Mitbewohner in der Polizze als Versicherungsnehmer aufscheinen bzw. jeweils eine eigene Versicherung abschließen. Ansonsten genießen sie keinen Versicherungsschutz. Gibt es einen Mitbewohnerwechsel, müsste auch die Versicherung angepasst werden.

      Ich hoffe, diese Info der D.A.S. Rechtsberatung hilft dir weiter.

      1. MArko am 5. September 2016 um 16:26

        Hallo Stephanie,

        super vielen Dank für die ausführliche Antwort, das hilft mir extrem weiter!

        Danke

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