DAS ÖSTERREICH

Schitourengehen in der Freizeit – Ein Trend mit rechtlichen Grauzonen

Wenn es Fr. Holle gut mit uns meint, laden Österreichs Berge bald wieder zu Schitouren abseits von Massentourismus und Hüttengaudi ein. Trotz aller Freiheiten gibt es aber auch hier einige Regeln zu beachten. Die Experten der D.A.S. Rechtsberatung informieren.

Welche Rechte haben Schitourengeher?

Schitourengeher bewegen sich meistens abseits von präparierten Pisten, in vielen Fällen werden aber auch Pistenabschnitte benutzt. Manchmal führen Wege auch über Forststraßen oder querfeldein über Almen. Demgegenüber ist die rechtliche Situation vielfach unklar bis weitgehend unbekannt.

Aus rechtlicher Sicht bewegen sich Tourengeher in einer Gemengelage von Vorschriften. Neben gemeinderechtlichen Verordnungen sind in der Regel auch Landes- und Bundesgesetze zu beachten, die den Tourensport mitregeln.

Wo kann ich mich informieren?

So regelt zum Beispiel das Salzburger Landessicherheitsgesetz, dass die Gemeinden Verordnungen erlassen dürfen, um das Befahren und Betreten von Schipisten nach 17:00 Uhr zu regeln. Solche Verordnungen existieren bereits. Die Kundmachung solcher Pistensperren erfolgen durch Tafeln bei den Tal- und Bergstationen der Schilifte (§ 30 Abs 4 Salzburger Landessicherheitsgesetz).

Achtung: Bei Zuwiderhandlung droht dem Schitourengeher eine Geldstrafe bis zu 500,- Euro (oder bei Uneinbringlichkeit eine Ersatzfreiheitsstrafe bis zu einer Woche).

Was haben Schitourengeher bei der Pistenbenützung zu beachten?

Ein anderer rechtlicher Regelungsbereich ist die Pistenbenützung. Schitourengeher müssen sich nicht nur an die seitens der Gemeinden individuell festgelegten Verordnungen halten, sondern auch an die Vorgaben der Liftbetreiber für den Schibetrieb.

Hier ist zu beachten, dass die Wegefreiheit nach dem Forstgesetz in § 33 Abs 1 auf das Waldgebiet beschränkt ist, das zu Erholungszwecken betreten werden darf, nicht aber auf präparierte Schipisten. Das heißt, dass die lokalen Vorschriften und Pistenbenützungsregeln der Schilifte zu beachten sind. Die Beachtung der Warnhinweise und lokalen Regelungen ist nicht zuletzt eine Empfehlung des Kuratoriums für alpine Sicherheit.

Fazit: Aus rechtlicher Sicht sollte man sich daher vor einer Schitour informieren, welche konkreten Rahmenbedingungen für das betreffende Schigebiet gelten,

  • insbesondere ob es von den Schiliftbetreibern
  • und/oder den Gemeinden einzuhaltende Vorschriften gibt.

Nur so kann man vermeiden, dass man wegen Besitzstörung belangt wird oder sogar eine Verwaltungsstrafe riskiert.

Bei Schitouren im freien Gelände sollte außerdem Rücksicht auf Pflanzen und Wildtiere genommen werden. Das heißt, dass bereits bei der Tourenauswahl auf Jagdsperr- und Wildschutzgebiete Rücksicht genommen werden sollte. Bei geringer Schneelage sollte zum Schutz der Flora und Fauna auf Schitouren verzichtet werden! Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Wiederbewaldungs- und Neubewaldungsflächen mit einem Bewuchs von unter 3 Metern (darunter fallen viele aufgeforstete Jungwälder) zu befahren.

Weitere Tipps für eine Schitourenplanung gibt’s vom Alpenverein unter dem Link: https://www.alpenverein.at/portal_wAssets/z_alt/portal/Home/Downloads/Essl.pdf

Wer haftet?

Nach der FIS-Regel Nr. 7 müssen Schifahrer und Snowboarder immer am Pistenrand auf- oder absteigen. Gilt diese Verhaltensregel auch für Schitourengeher?

Es liegt nahe, diese Regelung auch auf Tourengeher anzuwenden. Allerdings könnte dagegen eingewendet werden, dass Tourengeher kaum so kurze Strecken aufsteigen, wie dies bei Schifahrern und Snowboardern, z. B. nach einem Sturz, sein wird.

Die rechtliche Situation scheint zwar auslegungsbedürftig, aber: Tourengeher bringen sich selbst in Gefahr, wenn sie nicht ausreichend wahrgenommen werden können. Insofern sollten Sie nicht etwa mitten auf der Piste gehen oder bei Dämmerung ohne Stirnlampe unterwegs sein. Dass damit andere Sportler geblendet werden können (bei Lichtstärken von 2000 Lumen und mehr), ist wieder eine andere Sache.

Diese Gefahren haben manche Liftbetreiber zum Schutz vor Haftungsansprüchen dazu veranlasst, bestimmte Strecken für Tourengeher vorsichtshalber zu sperren.

Fazit: Gefahrenhinweise von Liftbetreiber, z. B. dass es nach Betriebsschluss zu Pistenpräparierungen durch Pistenraupen kommt, sollten Tourengeher ernst nehmen. Benutzen Sie daher keinesfalls gesperrte Streckenabschnitte! Andernfalls wäre ein Mitverschulden in haftungsrechtlicher Hinsicht möglich.

 

„Abwarten und Teetrinken“ ist nicht die Devise der Juristinnen und Juristen der D.A.S. Rechtsberatung. Ständig unter Strom sind sie exklusiv für D.A.S. Mitglieder im Einsatz. Energiegeladen beraten sie schriftlich und telefonisch (Kontaktdaten). Um garantiert keine Langeweile aufkommen zu lassen ;) schreiben sie juristische Artikel, überprüfen die Impressen der D.A.S. Firmenkunden und unterstützen Kollegen bei rechtlichen Fragen.

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