DAS ÖSTERREICH

Obdachlosenhilfe – Ein kleiner Einblick und meine Erfahrungen

Seit fast drei Jahren kenne ich die Szene der Obdachlosen im Umkreis der Mariahilferstraße, im 6., 7., 16. und 17. Bezirk. Mein Ziel ist es, diesen sozial „gestrandeten“ Personen durch meine Unterstützung zu helfen.

Ich befasse mich dabei mit Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen und Ländern bei uns in Wien auf der Straße gelandet sind.
Sie haben viele Geschichten, Erlebnisse und natürlich auch sehr viel Trauriges aus ihrem Leben zu erzählen.
Viele reden gar nicht über sich selbst. Sie haben jegliches Vertrauen und jegliche Sozialisierung verloren. Andere freuen sich über Kontakt und wenn man ihnen zuhört.

Die Betroffenen müssen die Unterstützung wollen
Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, dass man niemandem helfen kann, der es nicht zulässt. Wichtig ist auch, dass die Betroffenen selbst aktiv mitarbeiten.
Ich habe gelernt, den Obdachlosen nicht alles abnehmen zu können. Ich informiere sie über Kontaktadressen oder stehe als Ansprechpartnerin zur Verfügung. So teile ich ihnen beispielsweise mit, wie und wo sie Unterstützungen und das Notwendigste erhalten.
Selbstverständlich unterstütze ich auch beim Gang zu Ämtern oder Ärzten. Dort helfe ich z. B. wenn es aufgrund der Sprachbarriere zu Problemen kommt.
Leider habe ich schon sehr oft die Erfahrung gemacht, dass auch medizinisches Personal wenig Verständnis für Obdachlose hat. Zum Beispiel bei der Betreuung ohne E-Card.

Sehr gerne besuche ich sonntags den Franz-Josefs-Bahnhof im 9. Bezirk und verteile eine warme Mahlzeit für eine mir bekannte Gruppe von vier bis sechs Personen. Bei solchen Besuchen bin ich mit Essen, Decken, frischer Kleidung und Hygieneartikeln ausgestattet. Zusätzliche habe ich Hundefutter für deren Hunde dabei.

Obdachlose stoßen häufig auf Unverständnis
Wenn ich mit Leuten über meine Arbeit mit obdachlosen Menschen spreche, wird leider auch immer wieder die Frage gestellt: „Warum gehen diese Leute nicht arbeiten? Sie sind selbst schuld an ihrer Situation“. Wenn man aber die Obdachlosenszene, ihre Tagesabläufe und Freunde kennt, dann kann man besser verstehen, dass der Ausstieg aus ihrem Lebensmuster fast unmöglich ist.

Man darf nicht außer Acht lassen, dass es sich oftmals um eher charakterschwache und teilweise auch psychisch kranke Menschen handelt. Durch ihre Art zu leben, sind sie aus der Gesellschaft ausgegrenzt und werden von ihren Mitmenschen dementsprechend behandelt. Die Ausgrenzung durch andere bewirkt, dass ihr Selbstwert weiter sinkt. Zusätzlich fehlt häufig jegliche Perspektive und Motivation einen geregelten Alltag zu führen.
Mit diesem nicht vorhandenen Selbstbewusstsein ist es ein enormer Kraftakt, sich ins „normale“ Leben zurück zu kämpfen.

Deshalb sehe ich meine Aufgabe darin, diesen Leuten zuzuhören und sie mit Infos über Hilfsangebote zu unterstützen. Oder sie eventuell ab und an bei einem Weg zu begleiten.

Hilfe wird das ganze Jahr benötigt
Für mich ist diese Arbeit eine sehr schöne, aber auch emotional sehr belastende Aufgabe. Der wichtigste Grundsatz lautet daher, sich abzugrenzen. Das ist gar nicht so einfach und bedarf sehr viel Kraft und Energie. Auch das musste ich lernen.

Die Sachspenden sammle ich entweder privat oder über die D.A.S., in der meine Kolleginnen und Kollegen, mich bei meinem letzten Sachspendenaufruf auch zahlreich unterstützt haben. Obdachlose Menschen und ihre Hunde sind ganzjährig auf Spenden und Unterstützung angewiesen.

Wenn auch Sie helfen wollen, dann schreiben Sie an blog@das.at.

Seit 2005 bereits zum zweiten Mal in der D.A.S., jetzt als Sekretärin im Vertrags- und ProduktService tätig. Man kennt sie als Frohnatur, lebenslustig und naturverbunden. In der Freizeit langjährig im Tierschutz tätig, Tierbesitzerin und im sozialen Bereich mit Gehörlosen sowie in der Obdachlosenhilfe begeistert engagiert.

3 Kommentare

  1. Sandra Scholz am 28. Februar 2018 um 9:19

    Danke für eure Kommentare, es ist nicht immer leicht und sehr schwer sich oft abzugrenzen aber andererseits bereichert mich diese Arbeit und es gehört ganz einfach zu MIR!!! <3

  2. Matthias Orsolits am 16. Februar 2018 um 13:25

    Toller Artikel – es gäbe wohl keine bessere Wahl für unser DAS hilft helfen-Team.

  3. Andrea Setik am 14. Februar 2018 um 13:23

    Liebe Sandra!
    Ich finde es bewundernswert was Du machst. Schön, dass es Menschen wie Dich gibt.
    Es ist nicht leicht, bei dieser Tätigkeit nicht zu verzweifeln, egal ob es die Obdachlosen sind oder der Tierschutz.
    Danke!

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