DAS ÖSTERREICH

FAQ zum Umtauschrecht auf reduzierte Ware

Der Winter/Sommer ist vorbei und schon locken die ersten Schnäppchen in den Schaufenstern der Läden. Wie lange habe ich Zeit die Ware zurückzugeben? Habe ich auch ein Umtauschrecht auf reduzierte Ware? Alles rund um das Thema Umtausch, Abverkaufsware, etc. lesen Sie hier.

Jeder kennt es. Das berauschende, glückliche Gefühl beim Shoppingtrip mit den Freunden. Zu Hause angekommen, werden die vielen Einkaufstaschen erstmal geleert und die neuen Errungenschaften ausgepackt. Dann plötzlich die ernüchternde Erkenntnis – das gefällt mir eigentlich nicht. Schlimmer noch, die Ware ist kaputt. Was kann man hier tun?

Gibt es ein Rückgabe- bzw. Umtauschrecht?

Nein! Bei Waren, die in Ordnung sind, gibt es kein Rückgabe- bzw. Umtauschrecht. Es gibt aber die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistungspflicht.

Was genau ist die Gewährleistungspflicht?

Die Gewährleistungspflicht regelt die Ansprüche des Käufers: Sollte der Verkäufer/Händler eine mangelhafte Ware veräußert haben oder wird diese nach einer gewissen Zeit kaputt, so kann sich der Käufer auf die Gewährleistung berufen. Voraussetzung ist, dass der Mangel bereits bei der Übergabe, bzw. beim Kauf vorhanden war. Die Dauer der Gewährleistungspflicht ist unterschiedlich:

  • Zwei Jahre bei einer beweglichen Sache (Möbel, Espressomaschine, etc.)
  • Drei Jahre bei einer unbeweglichen Sache (Gebäude)

Die Gewährleistungspflicht beginnt mit dem Kauf der Ware.

Beispiele

  • Mir fällt zu Hause auf, dass die neue Hose ein Loch hat oder die Espressomaschine in der Verpackung kaputt gegangen ist -> die Gewährleistungspflicht greift
  • Auch für Mängel, die beim Kauf noch nicht ersichtlich waren (die Espressomaschine lässt sich nicht einschalten; lässt keinen Kaffee runter) -> die Gewährleistungspflicht greift

Was kann man erwarten?

Wenn die Gewährleistung greift und man nicht selbst für den Mangel verantwortlich ist, hat der Verkäufer/Händler vier Möglichkeiten:

  • den Mangel beheben (Reparatur) oder
  • die Ware austauschen bzw. in zweiter Ebene
  • Preisreduzierung oder
  • Geldzurückerstattung (sogenannte Wandlung)

Wie lange gilt die Gewährleistungspflicht?

Ab dem Kauf der Ware kann der Käufer zwei Jahre lang darauf bestehen, dass diese kostenlos repariert oder ersetzt wird – sofern der Mangel bereits bei Übergabe vorhanden war. Die Kosten muss der Verkäufer/Händler übernehmen.

Was kann man erwarten?

Der Verkäufer/Händler kann, wie oben erwähnt, die Ware entweder reparieren oder eine neue Ware liefern. Der Kunde kann grundsätzlich zwischen Austausch und Reparatur wählen. Das Wahlrecht endet jedoch, wenn ein Behelf unmöglich oder unverhältnismäßig ist. Sofern zumutbar, muss dem Verkäufer/Händler aber zumindest 1x die Möglichkeit gegeben werden zu reparieren oder auszutauschen. Sollte die Ware nicht repariert werden können oder der Verkäufer/Händler kann die Ware nicht nochmals liefern (ausverkauft), besteht die Möglichkeit, eine Preisminderung der Ware oder den Rücktritt vom Vertrag zu verlangen. Der Rücktritt ist jedoch nur möglich, wenn es sich um keinen „geringfügigen Mangel“ handelt. Die Ware muss anschließend zurückgegeben werden. Der Verkäufer/Händler muss das Geld zurück überweisen. Entscheidet man sich, die kaputte Ware zu behalten, kann eine Reduzierung des Kaufpreises bzw. Schadenersatz verlangt werden.

ACHTUNG: Neulieferung einer „Ersatz-Ware“ funktioniert nicht bei Einzelstücken oder Sonderanfertigungen.

Was tun, wenn ein Mangel beim Kauf schon bekannt war?

In diesen Fällen gelten keine Gewährleistungsrechte.

Beispiel:

  • Wenn bei der Artikelbeschreibung der Fehler bekanntgegeben wurde, kann ich später diesen nicht mehr reklamieren.

Wie macht man von seinem Gewährleistungsrecht am besten Gebrauch?

Rechtliche Ansprüche werden immer schriftlich reklamiert – am besten eingeschrieben. Im Streitfall kann die Reklamation nachgewiesen werden. Im Schreiben sollte nicht nur genau der Mangel der Ware beschrieben werden, sondern auch, dass die Kosten für die Rücksendung vom Verkäufer/Händler getragen werden!!

Gilt die Gewährleistungspflicht auch auf reduzierte Ware?

Der Kunde kauft eine Ware die mangelfrei sein sollte. Hier gilt die Gewährleistungspflicht.

ACHTUNG: Es sei denn, die Ware wurde aufgrund eines Mangels reduziert. Der Kunde hat keinen Anspruch auf die Gewährleistung, da der Mangel durch den Kauf akzeptiert wurde.

Wie sieht es mit einer Garantie aus?

Eine Garantie beruht auf freiwilliger Basis. Es gibt hier keine gesetzliche Regelung. Jeder Verkäufer/Händler kann selbst bestimmen, ob und wie lange er eine Garantie anbietet.

Kann jede Ware einfach umgetauscht werden, ohne dass diese einen Fehler hat oder kaputt ist?

Sollte der Kunde zu Hause erkennen, dass die Farbe des Rockes im Geschäft anders ausgesehen hat oder das neue Möbelstück nicht zum Inventar passt, so kann der Verkäufer/Händler in Kulanz die Ware zurücknehmen. Der Verkäufer/Händler ist aber nicht dazu verpflichtet! Nimmt der Verkäufer/Händler die Ware freiwillig zurück, kann ein Artikel vom gleichen Wert ausgesucht werden. Findet man nichts, wird in den meisten Fällen ein Gutschein ausgestellt. In den seltensten Fällen wird das Geld zurück überwiesen.

Kann reduzierte Ware umgetauscht werden?

Das kommt auf den Verkäufer/Händler an. Wenn der Kunde ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass reduzierte Ware vom Umtausch ausgeschlossen ist, besteht kein Anspruch. Meist findet man einen Hinweis auf den Rechnungsbelegen – „Umtausch nur mit gültigem Beleg, bis spätestens zwei Wochen ab Verkauf und nicht auf reduzierte oder Abverkaufsware“.

Gern genutzte Ausreden der Verkäufer/Händler:

  • „Die Ware kann nicht umgetauscht werden. Erst nach dem dritten Verbesserungsversuch.“
  • „Leider können wir nicht den vollen Kaufpreis zurückerstatten. Möglich ist nur eine Preisminderung.“
  • „Umtausch nur mit Originalverpackung.“
  • „Das Gerät wurde nicht ordnungsgemäß benutzt. Leider können wir da nichts machen.“
  • „Getragene Kleidung wird nicht zurück genommen.“
  • „Wir nehmen keine defekte Ware zurück. Bitte wenden Sie sich an die Firma XY. Die ist für solche Fälle zuständig.“
  • „Für einen Defekt an dem Gerät können wir nichts“.

Braut sich eine Diskussion mit dem Verkäufer/Händler zusammen, sollte man sich auf folgende Gesetze berufen:

  • Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) § 932 und
  • Konsumentenschutzgesetz (KSchG) § 8

Gibt es beim Onlinekauf eine Gewährleistungspflicht?

Ja, beim Onlinekauf gilt das Recht auf Gewährleistung. Es gelten hier dieselben Regeln wie bei einem Kauf in einem Geschäftslokal.

Kann man vom Vertrag/vom Kauf der Ware zurück treten?

Grundsätzlich gibt es beim Onlinekauf ein 14-tägiges Rücktrittsrecht ab Erhalt der Ware. Das Rücktrittsrecht nach dem Fernabsatzgesetz ist unabhängig vom Gewährleistungsrecht zu sehen. Eine Angabe von Gründen ist nicht nötig. Es kommt nicht darauf an, ob es einen Mangel gibt.

ACHTUNG: Sollte bei Lieferung niemand zu Hause sein und das Päckchen wird am Postamt hinterlegt, so läuft ab hier die Frist von 14 Tagen.

ACHTUNG: Wird beim Onlinekauf nicht ordnungsgemäß über das Rücktrittsrecht informiert, verlängert sich dieses Rücktrittsrecht um 12 Monate!

Was tun, wenn man vom Vertrag/vom Kauf zurücktreten möchte?

Sollte der Kunde sich dazu entscheiden vom Kauf zurückzutreten, ist es immer klug, dies per eingeschriebenen Brief zu dokumentieren. Ein Grund muss nicht genannt werden. Wichtig ist nur, dass die Frist eingehalten wird. Viele (Online)-Verkäufer/Händler bieten einen kostenlosen Rückversand der Ware an. In diesen Fällen ist meist schon ein Rücksendekuvert im Päckchen enthalten. Dieses muss anschließend am Postamt abgegeben werden. Bitte Vorsicht bei Onlinekäufen von versiegelten Waren.

Beispiele:

  • Bei Waren, welche aus gesundheitlichen oder hygienischen Gründen versiegelt wurden, gibt es kein Rücktrittsrecht
  • Weiters besteht kein Rücktrittsrecht bei CD’s, DVD’s und Spiele

Wenn man diese Hinweise beachtet, steht dem nächsten Einkauf nichts mehr im Weg!

Nach Beendigung der Handelsschule ist sie 2010 als Lehrling zur D.A.S. gekommen. Nach erfolgreichem Lehrabschluss als Versicherungskauffrau, hat sie nun ihren Platz im Zentralen VertriebsService gefunden. Den Ausgleich zum Berufsalltag findet sie beim Sport und den Spaziergängen mit ihrem Hund. Ebenso holt sie sich die Energie aus dem gemütlichen Beisammensein mit ihren Freunden.

2 Kommentare

  1. Patrick am 20. Juli 2016 um 12:09

    Sehr informativ, gut zu wissen und für die weitere Anwendung nützlich!!

    1. Michaela am 20. Juli 2016 um 15:18

      Super geschrieben…so das man auch jeden Punkt versteht und danach weiß welche Rechte aber auch Pflicht man hat.

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