DAS ÖSTERREICH

Die Waffen einer Frau

...reichen manchmal nicht aus, um sich erfolgreich gegen Übergriffe zur Wehr zu setzen. Die Frage, wie sich Frauen verteidigen können und welche Methoden und Hilfsmittel rechtlich zulässig sind, ist zurzeit ein großes Thema. Wann der Einsatz von Pfefferspray, Elektroschockern und anderen Waffen gerechtfertigt ist, lesen Sie hier.

Nach den Vorfällen der sexuellen Belästigungen gegenüber Frauen in der Kölner Silvesternacht kam es kürzlich zu ähnlichen Übergriffen. Viele Frauen fühlen sich zurzeit bedroht und sind beunruhigt.

Der rechtliche Rahmen

Die Frage, wann Frauen Verteidigungshandlungen zur Abwehr von (drohenden) sexuellen Delikten – auch unter Einsatz von Hilfsmitteln – setzen dürfen, ist nicht eindeutig geregelt.

Diverse Delikte im Strafgesetzbuch (StGB) im Bereich der strafbaren Handlung gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung stellen auf das Vorliegen einer geschlechtlichen Handlung ab (unter anderem §§ 202, 207, 207a, 207b, 212, 213, 214, 215a StGB). Eine geschlechtliche Handlung liegt aber nur bei einer intensiven Berührung eines primären oder sekundären Geschlechtsorgans vor. Nach herrschender Rechtsprechung zählt das Gesäß nicht zu den unmittelbaren Geschlechtssphären eines Menschen – das „Po-Grabschen“ fällt also nicht darunter.

Das Instrument der Notwehr ist in § 3 des Strafgesetzbuches geregelt. Straffrei ist eine Verteidigung, die notwendig ist, um einen zumindest unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermögen abzuwehren. Dabei muss grundsätzlich zum gelindesten Mittel gegriffen werden.

Laut Rechtsprechung reichen Pograpschen oder das Küssen auf den Mund nicht aus, um Körperverletzung am Angreifer wegen Notwehr zu rechtfertigen. Setzen sich Frauen jedoch nicht gleich gegen einen körperlich überlegenen Angreifer zur Wehr, ist es vielleicht schon zu spät.

Einige Beispiele gefällig?

Wird eine Frau beispielsweise an den Armen gepackt, rechtfertigt das bestimmt heftigere Gegenwehr, auch mit Pfefferspray oder Elektroschockgerät. Selbiges gilt wohl auch für eindeutige Drohungen oder verbale Nötigungen.

Strafbar wird es hingegen sein, wenn eine Frau bei einem unanständigen Flirtversuch zu heftigen Maßnahmen greift und den Übeltäter verletzt.

Abschrecken durch Lärm

Von lautem Schreien lassen sich Täter nicht immer abschrecken. Es gibt jedoch Geräte, die ein sehr lautes Alarmsignal auslösen, welches wesentlich effektiver ist. Solche sogenannten Kleinalarmgeräte werden in der Regel durch Abreißen einer Kette oder das Drücken eines Knopfes ausgelöst. Es ertönt ein schriller Alarmton. Ziel ist es, den Täter abzuschrecken und Hilfe herbei zu rufen. Unser Tipp: Tauschen Sie regelmäßig die Batterie, damit das Gerät im Ernstfall einsatzbereit ist!

Verkaufsschlager Pfefferspray

Der Besitz und der Einsatz von Pfeffersprays ist in Österreich ab 18 Jahren grundsätzlich erlaubt. Das gilt auch für zertifizierte Elektroschockgeräte.

Wer Pfefferspray verwendet, um sich gegen Angreifer zu wehren, kann auch selbst rechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Wenn etwa nach einer Attacke keine Notwehrsituation mehr besteht und eine Frau den Täter ansprüht, liegt eine Körperverletzung vor. Nur „Po-Grapschen“ reicht für einen gerechtfertigten Pfefferspray-Einsatz nicht aus.

Freie Waffen

Als freie Waffen gelten alle Waffen, die ab 18 Jahren ohne Registrierung frei erhältlich sind. Dazu zählen die für Selbstverteidigung beliebten Gaspistolen, Schreckschusswaffen, Pfeffersprays und Elektro-Schocker.

Schusswaffen

Medienberichten zufolge ist die Anzahl der Anträge auf Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses in den letzten Monaten angestiegen. Wo liegt hier der Unterschied? Ein Waffenpass berechtigt zum Erwerb, Besitz und zum Führen von Schusswaffen der Kategorie B (Faustfeuerwaffen, Repetierflinten und halbautomatische Schusswaffen, die nicht Kriegsmaterial oder verbotene Waffen sind). Eine Waffenbesitzkarten hingegen erlaubt nur den Erwerb und Besitz solcher Waffen.

Waffenbesitzkarten und Waffenpässe sind von der Behörde auszustellen, wenn sie von „verlässlichen EWR-Bürgern“ über 21 beantragt werden und diese bestimmte Rechtfertigungen nachgewiesen werden können.

Solche Rechtfertigungen sind

  • der Nachweis, dass der Antragsteller die Schusswaffe zur Selbstverteidigung innerhalb seiner Wohn- und Geschäftsräumlichkeiten bzw. Liegenschaft bereithalten will (Waffenbesitzkarte) bzw.
  • der Nachweis, dass der Antragsteller außerhalb dieser Bereiche besonderen Gefahren ausgesetzt ist, denen am zweckmäßigsten mit Waffengewalt wirksam begegnet werden kann (§ 22 WaffG) (Waffenpass).

Bedenken Sie aber, dass jede Waffe im schlimmsten Fall gegen Sie verwendet werden kann. Oft reicht allein schon ein selbstbewusstes und bestimmtes Auftreten aus, um Belästiger abzuschrecken. Der Besuch eines Selbstverteidigungskurses lohnt sich auf jeden Fall, um Gefahrensituationen zu erkennen und zu vermeiden und sich nötigenfalls auch erfolgreich zur Wehr zu setzen.

„Abwarten und Teetrinken“ ist nicht die Devise der Juristinnen und Juristen der D.A.S. Rechtsberatung. Ständig unter Strom sind sie exklusiv für D.A.S. Mitglieder im Einsatz. Energiegeladen beraten sie schriftlich und telefonisch (Kontaktdaten). Um garantiert keine Langeweile aufkommen zu lassen ;) schreiben sie juristische Artikel, überprüfen die Impressen der D.A.S. Firmenkunden und unterstützen Kollegen bei rechtlichen Fragen.

1 Kommentar

  1. Selori am 28. Juli 2016 um 0:25

    Leider müssen sich immer mehr Menschen Gedanken über Selbstverteidigung machen. Mit Pferferspray oder cs gas bzw. Tränengas kann man sich auf jeden Fall ein wenig sicherer fühlen, wobei einiges zu beachten ist.
    Unter http://abwehr-test.com erfahren sie mehr

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