DAS ÖSTERREICH

Die Tücken eines Waldbesuches

Herbstzeit ist Wanderzeit. Welche Regeln gibt es im Wald zu beachten? Ist die Schwammerlsuche erlaubt? Dürfen Forstwege mit dem Mountainbike befahren werden? Die D.A.S. Rechtsberatung gibt Antworten auf diese und andere Fragen rund um den Wald.

Als Erholungsräume sind in Österreich neben dem Wald auch das Alm- und Ödland oberhalb der Baumgrenze sehr beliebt. Es gilt der Grundsatz: Jeder Mensch hat ein Anrecht darauf, die Natur aus Erholungsgründen zu betreten. Auch private Eigentümer dürfen dieses Recht nicht infrage stellen.

81 % in Privatbesitz

Zu den größten privaten Waldeigentümern gehören die Familien Esterházy, Habsburg-Lothringen und Liechtenstein oder Industrielle wie Mayr-Melnhof; nicht zu unterschätzen sind auch kirchliche Institutionen (wie die Stifte Lilienfeld oder Klosterneuburg). Nur 19 Prozent des österreichischen Waldes sind in öffentlicher Hand; 81 Prozent sind privat, das ist europaweit fast unerreicht (nur Portugal hat einen noch höheren Privatanteil).

„Waldöffnung“ und Einschränkungen

Laut § 33 des Forstgesetzes aus dem Jahre 1975 wurde die so genannte „Waldöffnung“ gesetzlich verankert. Das bedeutet, dass sich jedermann im Wald aufhalten kann, auch abseits der Wege. Das schließt auch Laufen, Wandern, Skilaufen (Tourenskilauf und Langlauf) und natürlich auch Schneeschuhwandern ein.

Zum Schutz des Waldes und auch des Waldbesitzers wurden allerdings sinnvolle Einschränkungen festgeschrieben.

Nutzungsverbote und Sperren

Nutzungsverbote bestehen vor allem für:

  • Aufforstungsflächen – Jungwald bis drei Meter Höhe darf nicht betreten werden.
  • Bannwald – er soll Siedlungen vor Lawinen und Muren schützen.
  • Naturschutzreservate – sie bezwecken, dass Wald wieder zum vom Menschen unbeeinflussten Urwald werden kann oder beispielsweise Moore erhalten bleiben.
  • Wasserschutzgebiete – zum Schutz der allgemeinen Wasserversorgung. Sie können auf den Quellbereich beschränkt sein, aber auch großräumig abgesperrte Gebiete umfassen.

Nutzungsverbote untersagen in der Regel jegliches Betreten des Gebietes. Hinweistafeln an Wegen zur Kennzeichnung des Betretungsverbots sind nicht erforderlich.

Waldsperren gelten meist befristet und nur abseits von Wegen. Sie sind mit amtlichen Hinweistafeln zu kennzeichnen. Befristet gilt das etwa für Holzfällungen oder bei Treibjagden, unbefristet für Christbaumkulturen und Alpengärten sowie bei Eigenbedarf des Eigentümers bis zu maximal 15 Hektar (150.000 m2) rund um sein Haus.

Verbote gelten oft nur abseits des Weges. Wer auf dem Weg bleibt, braucht vor den meisten Sperrgebieten nicht haltzumachen.

Benützungsbeschränkungen im Wald

Im Wald ist unter anderem nicht erlaubt:

  • Entzünden von Feuer – auch im Gefährdungsbereich außerhalb des Waldes.
  • Befahren von Forststraßen ohne Zustimmung des Waldeigentümers
  • Abstellen von Fahrzeugen auf Waldflächen
  • Radfahren und Reiten ohne Zustimmung
  • Lagern nach Einbruch der Dämmerung
  • Betreten von erkennbar ausgewiesenen forstlichen Sperrflächen
  • Betreten von Jungwaldflächen bis drei Meter Höhe
  • Ablagern und Wegwerfen von Abfällen
  • Sammeln von mehr als 2 kg Pilzen pro Tag oder von bestimmten Früchten
  • Beschädigung oder Entfernung stehender Bäume, Baumteile, Sträuchern usw.
  • Aneignung von Erde, Rasen und dergleichen sowie von geerntetem Holz
  • Entfernung und Beschädigung von forstlichen oder jagdlichen Einrichtungen wie   Hinweistafeln, Grenzzeichen, Zäunen, Hütten, Wildfutterstellen, Hochständen,  Erholungseinrichtungen und dergleichen.

Freizeitbetätigungen im Wald

Grundsätzlich ist nur das Betreten des Waldes zu Fuß erlaubt. Für das Befahren mit Fahrzeugen (auch Fahrrädern), Reiten und Zelten ist die Zustimmung der Waldeigentümerin oder des Waldeigentümers notwendig. Das gilt auch für Forststraßen. Bei einem ausdrücklichen Einverständnis ist die Waldeigentümerin beziehungsweise der -eigentümer auch für einen sicheren Zustand der Forststraße verantwortlich.

Reiten, Radfahren & Co

Wer reiten, Radfahren, rodeln oder zelten will, braucht dazu die Zustimmung des Grundeigentümers. Für markierte Mountainbike-Routen gibt es in der Regel eine generelle Vereinbarung, die vom Land, von der Gemeinde oder Tourismusverbänden mit dem Eigentümer ausgehandelt wurde. Ähnliches gilt für Reitwege oder Rodelstrecken. Überdies bedürfen kommerzielle Veranstaltungen und das Betreten des Waldes zu anderen als Erholungszwecken der ausdrücklichen Zustimmung durch den Grundeigentümer. Im Bereich von Skiliften ist das Abfahren nur auf markierten Pisten oder Skirouten erlaubt (ca. 500 Meter rechts und links des Lifts).

Mineralien, Schwammerl, Beeren

Sofern nicht erwerbsmäßig, ist das Sammeln von Mineralien unbeschränkt, das Sammeln von Schwammerln, Beeren und Kräutern bis zu maximal zwei Kilo pro Tag gestattet. Darüber hinaus beschränken zum Teil die Naturschutzgesetze der Länder die Sammelleidenschaft. Die Verwendung von Rechen beim Beerensammeln ist jedenfalls verboten.

Gewohnheitsrecht

Nach der Rechtsprechung kann durch die langjährige Benutzung eines Weges oder einer Skiabfahrt durch Gemeindemitglieder, Touristenvereinsangehörige oder durch die Allgemeinheit ein Benutzungsrecht („Dienstbarkeit“) auch ersessen werden. Die Berechtigten können dieses Recht gegen Eingriffe des Grundeigentümers verteidigen und sogar im Grundbuch eintragen lassen. Voraussetzung einer solchen Dienstbarkeit ist der Ablauf einer Ersitzungszeit von 30 Jahren; wenn es sich um einen öffentlichen Grundeigentümer oder eine juristische Person als Grundeigentümer handelt, beträgt die Frist 40 Jahre.

Schilder-Dschungel – Welche illegal sind, welche korrekt

Verbotstafeln werden häufig illegal aufgestellt.

Mit der grünen Tafel wird ein Betretungsverbot ausgesprochen, obwohl (meist) nur ein Betreten abseits von Wegen verboten ist:

Jagdliches Sperrgebiet

So sieht eine korrekte Hinweistafel für ein befristetes Sperrgebiet aus:

Wildschutzgebiet

Unbefristete jagdliche Sperrgebiete sind verboten

Unbefristete jagdliche Sperrgebiete sind seit 1987 nicht mehr erlaubt. Auch aus anderen Gründen (z.B. wegen Holzfällungen) darf eine Sperre für mehr als vier Monate nur mit behördlicher Genehmigung verfügt werden. Es müssen ganz bestimmte Hinweistafeln benutzt werden, die Zeitdauer der Sperre ist eindeutig anzugeben, nach Beendigung der Sperre sind die Tafeln zu entfernen. Ungeachtet der eindeutigen Gesetzeslage in allen Bundesländern halten sich selbst gebastelte Verbotstafeln, die streng genommen als Urkundenfälschung anzusehen sind, hartnäckig über Jahrzehnte hinweg.

Oberhalb der Waldgrenze

Oberhalb der Waldgrenze ist die Wegefreiheit nicht einheitlich geregelt ist, sondern variiert von Bundesland zu Bundesland. Die Freiheiten sind generell größer als im Wald. Das Bergland ist für den Touristenverkehr frei, was so interpretiert wird, dass auch das Reiten, Radfahren, Rodeln oder Zelten grundsätzlich ohne Genehmigung erlaubt ist. Mit zwei Ausnahmen: In Oberösterreich und Vorarlberg gilt Reiten und Radfahren oberhalb der Baumgrenze als generell verboten

Schwammerln und Beeren sammeln im Wald

Pilze, Beeren und sonstiges Waldobst (z.B. Edelkastanien) stehen gemäß den §§ 354 und 405 Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) grundsätzlich im Eigentum des Waldeigentümers. Das Sammeln für den Eigenbedarf ist jedoch erlaubt, wenn die Waldeigentümerin/der Waldeigentümer es nicht ausdrücklich untersagt, beschränkt oder dafür ein Entgelt verlangt. Ein Verbot des Sammelns für die Allgemeinheit ist z.B. an entsprechender Beschilderung erkennbar. Wer entgegen eines derartigen Verbotes des Waldeigentümers Pilze oder Waldfrüchte sammelt, kann von diesem zivilrechtlich geklagt werden. Unzulässig gesammelte Pilze oder Früchte können im Rahmen der Selbsthilfe vom Waldeigentümer abgenommen werden.

Darüber hinaus verbietet das Forstgesetz folgende Handlungen:

  • Unbefugte Mitnahme von Pilzen in einer Menge von mehr als zwei Kilogramm pro Tag
  • Durchführen von oder Teilnahme an Pilz- und Beerensammelveranstaltungen
  • Unbefugtes Sammeln von Früchten oder Samen bestimmter Holzgewächse zu Erwerbszwecken

Wer einen Wald entgegen einem der genannten Verbote benützt, begeht eine Verwaltungsübertretung und macht sich damit strafbar. Je nach konkretem Fall gilt ein Strafrahmen von bis zu 150 Euro (z.B. für das unbefugte Sammeln von Pilzen in einer Menge von mehr als zwei Kilogramm pro Tag) bzw. in gravierenden Fällen bis zu 730 Euro Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einer Woche (für die Durchführung von oder Teilnahme an Pilz- und Beerensammelveranstaltungen).

Auch in Landesgesetzen finden sich zum Teil Bestimmungen bezüglich des Sammelns von Pilzen oder anderer Waldfrüchte. So ist das Pilzesammeln in geschützten Gebieten, z.B. Nationalparks oder Naturschutzgebieten, oft beschränkt oder verboten.

Naturschutzrecht ist Landesrecht

In geschützten Gebieten (Nationalparks, Naturschutzgebiete, etc.) kann das Pilzesammeln beschränkt oder gänzlich verboten sein.

Bestimmte Pilze können in den Ländern, z.B. in Oberösterreich (Oö. Artenschutzverordnung, LGBl. Nr. 73/2003 zuletzt geändert durch LGBl. Nr. 47/2010) vollkommen geschützt sein und dürfen daher nicht gesammelt, beschädigt, vernichtet, erworben, weitergegeben, befördert, verkauft oder zum Verkauf angeboten werden.

Weiters wird in einigen Ländern die Nutzung von (teilweise geschützten) Pilzen, zumeist in sogenannten Pilzschutzverordnungen, näher geregelt und das Pilzesammeln z. B. zeitlich beschränkt.

Beispielsweise dürfen in Kärnten die teilweise geschützten Pilze (wie z.B. Herrenpilz und Eierschwamm) nur in der Zeit vom 15. Juni bis 30. September von 7 bis 18 Uhr gesammelt werden. Die Menge ist, wie im ForstG, mit 2 kg pro Person und Tag begrenzt. Der Erwerb, die Weitergabe, die Beförderung oder der Handel dieser Pilze ist ebenso nur bis zu dieser Menge zulässig. Ausnahmen bestehen für bestimmt Betriebe, wie etwa des Handelsgewerbes.

In Salzburg bedarf weiters das Sammeln von Pilzen zum Verkauf im Allgemeinen einer Bewilligung durch die Bezirksverwaltungsbehörde.

Da das Naturschutzrecht in die Gesetzgebungs- und Vollziehungskompetenz der Länder fällt, empfehlen wir, sich erforderlichenfalls wegen derartige Regelungen über die Nutzung von Pilzen (und Waldfrüchten) an das jeweilige Amt der Landesregierung zu wenden.

Holz sammeln im Wald

Bäume bzw. Holz im Wald (z.B. Bruchholz, abgefallene Äste etc.) stehen im Eigentum der Waldeigentümerin/des Waldeigentümers. Das Sammeln von Holz (auch Klaubholz) ist daher nur dann erlaubt, wenn diese/dieser vorher zugestimmt hat. Wer dies ohne Erlaubnis tut muss mit zivilrechtlichen Klagen der Eigentümerin/des Eigentümers (z.B. wegen Besitzstörung oder auf Schadenersatz) rechnen.

ACHTUNG: Entgegen einer weit verbreiteten Meinung ist das Sammeln von Holz im Wald ohne Zustimmung der Waldeigentümerin/des Waldeigentümers unabhängig davon verboten ob es sich dabei um ganze Bäume, abgeschnittenes Holz oder abgefallene Äste handelt.

Das Forstgesetz verbietet u.a. folgende Handlungen:

  • Aneignung von stehendem oder geerntetem Holz oder Harz
  • Aneignung von Erde, Rasen oder sonstigen Bodenbestandteilen in mehr als geringem Ausmaß
  • Beschädigung stehender Bäume, deren Wurzeln oder Äste, liegender Stämme, junger Bäume oder Strauchpflanzen oder Entfernung von ihrem Standort

Ausnahme: Die Entfernung einzelner Zweige von ihrem Standort ohne wesentliche Beschädigung der Pflanze ist nicht verboten.

Wer den Wald entgegen einem der genannten Verbote benützt, begeht eine Verwaltungsübertretung und macht sich damit strafbar. Für die genannten Übertretungen gilt ein Strafrahmen von bis zu 730 Euro Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einer Woche.

Darüber hinaus ist das Sammeln von Klaubholz, Waldfrüchten etc. unter bestimmten Voraussetzungen auch gerichtlich strafbar.

Forstschutzorgane

Für die Überprüfung der Einhaltung der Schutzbestimmungen in Bezug auf den Wald sind Forstschutzorgane der Forstbehörde zuständig. Diese sind berechtigt, Personen im Falle bestimmter Verstöße aus dem Wald zu weisen bzw. deren Identität festzustellen und sie bei der Forstbehörde anzuzeigen. Darüber hinaus können sie illegal gesammelte Pilze, Waldfrüchte oder Holz beschlagnahmen und zu diesem Zweck Behälter und Transportmittel durchsuchen. Auf Verlangen müssen Forstschutzorgane ihren Dienstausweis vorweisen. Auch die Polizei ist berechtigt, die genannten Kontrollen durchzuführen.

Gesetzliche Grundlagen

Forstgesetz 1975, BGBl. Nr. 440 zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 55/2007

Oö. Artenschutzverordnung

Kärntner Pilzverordnung

Tiroler Pilzschutzverordnung

Salzburger Pilzeschutzverordnung

Vorarlberger Naturschutzverordnung

Burgenländisches Naturschutz- und Landschaftspflegegesetz

„Abwarten und Teetrinken“ ist nicht die Devise der Juristinnen und Juristen der D.A.S. Rechtsberatung. Ständig unter Strom sind sie exklusiv für D.A.S. Mitglieder im Einsatz. Energiegeladen beraten sie schriftlich und telefonisch (Kontaktdaten). Um garantiert keine Langeweile aufkommen zu lassen ;) schreiben sie juristische Artikel, überprüfen die Impressen der D.A.S. Firmenkunden und unterstützen Kollegen bei rechtlichen Fragen.

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