DAS ÖSTERREICH

Der allererste Schulbeginn fällt meistens auf Ostern

Schulbeginn und Ostern? Das haben Sie anders in Erinnerung. Mag sein, aber Tatsache ist, dass in unseren Breiten – warum auch immer – sehr, sehr oft der Osterhase die erste Schultasche bringt. Das ist zwar rund ein halbes Jahr vor dem tatsächlichen Schulbeginn Anfang September, aber es hat sich irgendwie so eingebürgert.

Aber rund um den Schulbeginn gibt es ja viele interessante Bräuche und Verhaltensweisen. Aber von welchem Schulbeginn reden wir eigentlich. Dem allerallerersten, oder dem in einer neuen Schule, oder dem gewöhnlichen Beginn eines neuen Schuljahres? Alle diese Momente haben ihren eigenen Zauber (und Schrecken), aber natürlich ist der Tag der Schultage der wirklich erste. Wobei auch dieser allererste Schultag seit einigen Jahren von diversen subversiven Kindergärten torpediert wird und diese mit den „Großen“, also den voraussichtlichen Schulbeginnern, bereits Monate vor dem wirklichen Start in der Schule eben diese besuchen. Und da soll sich noch einer auskennen. Kein Wunder also, dass Meister Lampe bereits mit einer (meist bunten) Schultasche im österlichen Korb herumhoppelt.

Eine andere wunderliche Begebenheit zu Schulbeginn ist die Schultüte

Diese, meist randvoll mit ungesundem Schleckzeug gefüllten Riesenstanitzel, waren vermutlich die Erfindung der Süßwarenindustrie, die den Floristen (Valentinstag!) um nichts nachstehen wollten. Und doch gibt es eine gute Möglichkeit, einerseits die Industrie zu ärgern und andererseits, den eigenen Sprössling nicht tütenlos vor den Kopf zu stoßen: es ist in der Zeit von Fertiggerichten, Mikrowelle und Fast Food Tempeln zwar etwas aus der Mode gekommen, aber glauben Sie mir, ein mit Liebe und Bedacht auf den eigenen Nachwuchs abgestimmter Inhalt einer Schultüte, lässt nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Auch Sie selbst werden zufrieden grinsend auf die anderen 08/15-Tüten herunterblicken und erhobenen Hauptes, durchströmt mit gutem Gewissen, von dannen schreiten. Nur eines ist auch klar. Sollten Sie die Schultüte nicht ausschließlich mit selbst gebastelten Kastanientieren und schmucken Donausteinen füllen, kommt Ihnen das persönlich abgestimmte Stanitzel garantiert auf ein Vielfaches des Industrieprodukts aus dem einschlägigen Handel.

Tja, das ist wohl nicht die einzige Gelegenheit am Schulanfang (und das Folgende gilt nun für alle drei aufgezeigten Kategorien) finanziell zu bluten. Dass Kinder wachsen ist üblich und auch gut so. Dass dies natürlich einen periodischen Tausch der Garderobe bedingt, ist natürlich und selbstverständlich. Aber taten es in der Vorschulzeit oftmals die (abgetragenen) Klamotten von Geschwistern oder Verwandten, so muss zu Schulbeginn (ja, dieser kommt jährlich – mindestens 9 Mal, oft auch viel, viel öfter) schon etwas Neues, Cooles, Fetziges … also meist Teures die Blöße unseres Nachwuchses bedecken. Ja, und Turnschuhe (für drinnen UND draußen) und Hausschuhe und Übergangsjacken, Winterjacken, Sommerjacken und und und…

Noch Geld am Konto?

Hoffentlich, denn nun geht es noch an die Schulsachen. Dutzende Hefte, Stifte, Blöcke, später auch Zirkel, Taschenrechner und Laptops wollen besorgt werden.

Sie sorgen sich schon? Kein Problem. Das wichtigste ist: Lassen Sie sich nicht von der Werbung für Schulsachen – und diese startet bereits kurz nach Schulschluss (das ist etwa so wie der Lebkuchen im September) – verführen. Gerade in der allerersten Klasse können und sollen Sie sich entspannt zurücklehnen. Die Klassenlehrerin (ja, es gibt eine sehr, sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind nicht mit einem Klassenlehrer starten wird) wird einen Zettel austeilen, auf dem akribisch (logisch, der Absender ist ja Teil des Lehrkörpers) vermerkt ist, was Sie in den nächsten Stunden (!) zu besorgen haben. Und bitte glauben Sie mir, vieles was Sie aus gutem Glauben an ein sommerliches Schnäppchen vorab besorgt haben, müssen Sie wohl oder übel in die häusliche Bastelschachtel umsortieren. In der Schule ist es nicht erwünscht. Und dieses Spiel bleibt lange spannend. Besonders interessant aber in der Zeit nach der Volksschule. Die Zeit in der Ihr Kind in praktisch jedem Gegenstand einen anderen Lehrer oder Lehrerin (ja, hier ändert sich das Geschlechterverhältnis auffällig) hat. Jeder von ihnen hat seine besonderen Vorlieben für Umschlaghüllenfarben, Heftformate und Schreibgeräte. Binnen kurzer Zeit werden Sie selbst zu einem Profi im Bürohandel. Und es ist auch sicher nur ein Zufall, dass der Büromittelbedarf zu Schulbeginn in beinahe jeder Firma merklich ansteigt.

Doch wie geht es unseren Kleinen mit dem Schulanfang?

Nervös sind sie alle. In allen drei Beginnkategorien. Allerdings aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die allergrößte Nervosität konnte ich bei meinen Kindern am allerersten Schultag beobachten, allerdings perfekt ausgeglichen – wie das ausgewogene Süß-Säurespiel eines burgenländischen Eisweins – durch eine Riesenvorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Dass diese sehr, sehr rasch einer realistischen Ernüchterung Platz machen musste, ist definitiv nicht auf ein bildungsfernes Elternhaus zurückzuführen. Schule ist eben nicht Kindergarten. Und für manche Lehrkörper ist Gehorsam (still sitzen ist schon mal ein guter Beginn) wichtiger denn Spaß (am Lernen). Wäre auch noch schöner, Schule ist ja eine behördliche Bildungseinrichtung. Eigentlich ist es ein phantastisches Naturwunder, wie unbezwingbar der Bildungshunger junger Menschen ist. Aber das wäre einen eigenen Artikel wert.

Doch wir waren bei der Nervosität. Vor dem allerersten Schultag dominieren Fragen wie die Lehrerin sein wird, wie man den Schulweg bewältigen wird und ob man denn auch neben der Freundin aus dem Kindergarten sitzen dürfe.

Hier noch ein wichtiger Einschub zum Thema Schulweg

Lassen Sie los. Ihr Kind braucht Gelegenheiten, in denen es auf sich selbst gestellt ist, unbeobachtet und unbeaufsichtigt. Ja, das ist beunruhigend und wird Sie auch ein paar Momente mit zittrigen Händen und Schweißperlen auf der Stirn kosten. Aber das ist es wert. Kind sagt danke.

Bei einem Schulwechsel geht es vor allem um die neuen Mitschüler (cool oder doch Loser), die neuen Lehrer (vermutlich Mehrzahl). Jedes Jahr zu Schulbeginn geht es um all die lässigen Dinge, die alle in den Ferien gemacht haben (also welche neue App sie entdeckt haben und wie das WLAN in der Ferienunterkunft war), mit welchen Klamotten sie antanzen (und auf welchem Portal sie online geshoppt wurden) und noch wichtiger: auf welche Smartphone-Generation sie umgestiegen sind.

Und vor jedem Schulbeginn gibt es sie, die von allen Eltern gefürchteten, endlosen Sommerferien – der Schrecken aller kinderbetreuungsgeplagten Geldbörsen. Pädagogen schreiben, das sei gut und Kinder brauchen Langeweile. Mag sein. Ich erlaube mir trotzdem, in den letzten Ferienwochen die Langeweile der Sprösslinge mit „Ferienheften“ nachhaltig zu konterkarieren. Diese sind eine gute Wiederholung des Schulstoffes des Vorjahres. Gibt es für alle Hauptfächer. Das entspannt den Schulbeginn der Eltern nämlich eindrucksvoll.

Und damit wünsche ich einen guten Start ins neue Schuljahr!

Als im Studium bereits Unentschlossener und daher  Absolvent der Wirtschaftsinformatik begleitete er die D.A.S. 20 Jahre im weiten Feld der Betriebsorganisation. Dabei  beschäftigte er sich mit so unterschiedlichen Dingen wie Prozessmanagement und Neue Medien,  Projektmanagement und Telefoncontracting, Moderation und Innovation. Seit 2016 leitet er den Bereich IT & Verwaltung und es kamen noch ein paar Aufgaben dazu (manche aber auch weg). Mit ordentlich viel Kaffee an Board, Strom fürs iPad und einer ToDo-Liste am iPhone  geht das auch.

1 Kommentar

  1. Loinger Johannes am 5. September 2017 um 18:10

    Sehr guter Artikel, Gratulation!
    Übrigens: meine erste Schultasche brachte auch der Osterhase. ich war so verrückt danach, dass ich Sie den ganzen Sommer über ständig herumgetragen habe.
    rechtzeitig zum (eigentlichen) Schulbeginn habe ich dann eine neue bekommen.
    Eine, die mehr ausgehalten hat……

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